Druckschrift 
2 (1833)
Entstehung
Seite
90
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

i : >

90

Das Extract kommt im Handel aus Brasilien zu uns, es ist eine trockne, aussen braunrollie,innen schwarzbraune und stark glänzende, zusammenhängende, bitter zusammenziehend schmek-kende Substanz, welche sich in siedendem Wasser fast ganz auflöst.

Verwechslungen: Es kommt zuweilen eine falsche Ratanha-Wurzel vor, welche einemehr grau gefärbte, weniger zusammenziehende Rinde, mit blassgelblich-weissem Holze be-sitzt und von welcher einige meinen, sie könne wohl von Krameria linearis stammen, wasdagegen noch sehr der Bestätigung bedarf.

Chemische Beschaffenheit: Die Ratanhia-Wurzel ist vielfach untersucht worden.Trommsdorff fand darin 4*2,5 eisengrünenden Gerbstoff; 17,5 Gummi; 25,0 durch Kali ausge-zogene ulminartige Materie; 15,0 Holzfaser. Vogel's Untersuchung ergab: 40,0 Gerbstoff;1,5 Gummi; 0,5 Stärkemehl; 48,0 Holzfaser; 10,0 Wasser und Verlust. Nach C. G. Gmelinenthält sie: 38,3 Gerbstoff; 1,5 Gummi; 10,8 theils durch kaltes theils durch warmes Was-ser ausziehbaren stickstofffreien Schleim; 43,3 Holzfaser mit kohlensaurem und schwefelsau-rem Kalk, Kieselerde u. s. w., bei 0,9 Verlust. Peschier fand im trocknen Extract 42,066Gerbstoff; 56,666 gummige extractive und färbende Theile; 0,333 Gallussäure; 0,533 Ratan-hiasäure oder Kramersäure (aeide kramerique). Die Wirksamkeit dieses Mittels beruht be-sonders auf dem Gerbstoff, welcher das Eisen grau (nach andern braun) niederschlägt. DieseEigenschaft soll dadurch hervorgebracht werden, dass der Gerbstoff der Ratanhia in Verbin-dung mit einem durch Schwefelsäure fällbaren Stoff ist, nach dessen Abscheidung er aberdieselbe Farbenveränderung wie der Gerbstoff anderer Pflanzen zeigt.

Nutzen: Die Ratanhia-Wurzel und das aus ihr bereitete Extract werden in ihrem Va-terlande als blutstillendes Mittel angewendet und haben sich als solches so wie überhauptals ein rein adstringirendes tonisches Mittel bewährt, welches man besonders bei habituellenBlulflüssen, bei Schwäche und Erschlaffung der weiblichen Geburtstheile, bei Durchfällenund Wechseliiebern, so wie zu Zahnarzeneien empfohlen hat.

Erklärung der Kupfertafel 174 Die" blühende Pflanze in nat. Gr,, a) eine Blume ohne Kelch, b) einrundes Blumenblatt von innen, c) die beiden hintern Blumenblätter, d) das Pistill, alles etwasvergr, e) die Frucht, f) der Saame, g) derselbe r/ucer und li) längs durchschnitten, alles innat. Gr.

C.ann-abis sativa.

Syst. sex. l^ioecia Peulandria. Syst. nat. Urticeae Juss.

Chat: gen. Blume 2-häusig; männliche Blume: .Blumenhülle einfach 5-bIäftrig.Staubgefässe 5. Weibliche Blume: Bluniqnhiille einfach, länglich, ganz, seitwärts klaf-fend. Griffel 2. Kapsel 1-samig, zweiklappig, von der Blumenhülle umschlossen.

Chat: Speciei: Blätter gegenständig, gefingert.

Synon'j-me: Cannabis sativa L. u. aller Autoren. Deutsche: Hanf, die männlichePflanze Femmel, Fimmel oder tauber Hanf, die weibliche Mastel, Bästling, grüner oder spä-ter Hanf.

Vaterland: Das Vaterland des Hanfes soll ursprünglich. Persien seyn, er wird jetztaber in einem grossen 1Theil -von Europa kultivirt und zeigt sich an vielen Orten schon ver-wildert. Blüht vom Hochsommer bis zum Herbst.