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Chemische Beschaffenheit: Peschier fand in den Blättern des schwarzen Bilsenkrautsein basisches Prineip, eine eigentümliche Saure und einen aromatischen, nach Cantharidenriechenden Stoff. Brandes nannte das Alcaloid Hyoscyamin, er fand es mit Apfelsäure ver-bunden im Saamen, welche ausserdem sehr viel fettes"Oel, einige Salze, Fasern und Wasserenthalten. Aus dem Kraute hat Brandes dies narcotische Prineip des Bilsenkrauts dasHyoscyamin ebenfalls dargestellt, als eine farblose durchsichtige Flüssigkeit von dicklich Ölar-tiger Consistenz, welcie alcalisch reagirt und den Geruch der Pflanze unerträglich stark be-sitzt, von Geschmack unangenehm scharf, ein beengendes Gefühl im Kehlkopf hervorbringend,6 Tropfen des wässr'gen Hyoscyamio tödten einen Sperling in einer Minute. Es gleicht sehrdem Conün und Atropin, ist auch in frischen Blättern in viel grösserer Bienge als in 2 Jahraufbewahrten.
Nutzen: Das Bilsenkraut bildet mit seiHen Präparaten ein wichtiges Heilmittel, wel-ches jedoch immer mit gehöriger Vorsicht angewendet werden muss. Es dient besondersals ein die Nerven beruhigendes und besänftigendes Mittel, welches das Gefäfssystem nichtaufregt, sondern vielmehr heruhigt, eben so wenig sonst schädlich einwirkt. Dagegen zeigtes sich in grösserer Gabe als ein narcotisches Mittel, welches in grossen Gaben endlichden Tod herbeiführen kann. Bei solchen Vergiftungen giebt man Brechmittel und spätersaures Getränk, Weinessig u. dergl. Auch äusserlich wird das Bilsenkraut in verschiedenenFormen als ein krampfstillendes und erweichendes Mittel angewendet.
Erklärung der Kupferlafel 155. Der obere Theil der blühenden Pflanze a) eine aufgeschlitzte Blu-menkrone, b) der Stengel, c) die Kapsel ohne Kelch, d) dieselbe ebenso mit abspringendem Del;-hei itnd e) ein Saamen, alles in nat. Gr., f) ein Saamen vergr. und g) längs durchschnitten.
Glycyrrhiza glabra.
Syst. sex. Diadelphia Decandria. — Syst. nat. Leguminosae Juss. Papilionaceae.
Char. gen. Kelch röhrig, tief 5zähnig, 2Hppig, die beiden oberen Zähne nämlichlänger als die übrigen mit einander verbunden, aber doch von allen die kürzesten; Kroneschmelterlingsartig, <&S Schiffchen 2 blättrig grade, die Fahne ey - lanzettlich grade; Staub-gefässe 10, 9 verwachsen, einer frei; Griffel fadig; Hülse eyförmig oder länglich, zusam-mengedrückt, einfächrig, 1 — 4 saamig.
Char. speciei: Blätter unpaar-gefiedert; Fiedern eyrund-elliptisch, kurz stachel-spitzig, kahl, unten etwas klebrig; Nebenblätter fehlend; Aehren gestielt, erst kürzer,später fast länger als das Blatt; Hülsen kahl, 3 — 4saamig.
Synonyme: Glycyrrhiza glabra Linne und der meisten Schriftsteller, Gl. lacvis Pallas;Liquiritia officinalis Moench. — Deutsche: gemeines Süssholz, Lakritzenholz.
Vaterland: Auf Auen und in Vorhölzern im südlichen Europa von Portugal bis nachdem südlichen Russland. Wird in einigen Gegenden des südlichen Deutschlands gebaut.Blüht im Hochsommer.
Beschreibung: Wurzel senkrecht, tief in die Erde herabsteigend, kriechend, ästig,holzig, von der Dicke eines Fingers oder Daumens, aussen braun, wenige Wurzelfasern trei-bend, innen gelb; Stengel gewöhnlich mehrere, aufrecht, 4 — 6 F. hoch, rund, gestreift,kahl, fast einfach, nach oben etwas eckig und kaum bemerkbar behaart; Blätter wechsel-ständig, gestielt, unpaar gefiedert; Fiedern kurz-gestielt, zu 5 — 8 Paar, oben kahl, unten
Guimpel's Abbild. II. Bd. 10