Druckschrift 
3 (1806) Acanthus - Amygdalus
Entstehung
Seite
279
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eine gleiche'nge h^ben. D i e B lume «.kommen an den Ende» der Stengel und Zweigeund aus den Theilungswinkcln, ausdünnen kurzen Stielen hervor; sie stehen nur einzeln,sind klein, weiß, an den Spitzen der entzweygespaltenen Blumenblätter etwas röthlich,und scheinen der tiefen Spalten wegen, obschon sie nur aus fünf Blumenblättern bestehen,zehnblättrig zu seyn. Die Anzahl ihrer Staubfäden ist nicht beständig. Nach dem Ver-blühen,kommen kleine, längliche, dreyklappige Saamenkapseln zum Vorschein, in denenviele kleine, rundliche, röchlichgelbe Saamen enthalten sind.

Der gemeine Vogelmeier wächst an feuchten schattigen Orten am liebsten, undHr. Beckmann sieht es als einen Beweis der Gegenwart von Stauberde an , wenn er aneiner Stelle häufig als wildwachsend gefunden wird. Er ist in unfern Küchengärten einsehr beschwel liches, kaum auszurottendes Unkraut; indem er sich durch das Ausfallen derreifen Saamen von selbst wieder anbauet und fortpftanzet, und ob er gleich zart und un-gemein saftig ist, so widersteht er dennoch der strengsten Winterkälte, und bleibt unt°rdem Scknee unversehrt und grün, daß er auch zu dieser Zeit als Futter für die Vögelgebraucht werden kann. Man h.tt kein anderes Mittel ihn auf Stellen, wo er einmalWurzel gefaßt hat, auszurotten, als daß man die ganze Pflanze, noch ehe sie Saamenträgt, gleich über der Erde abschneidet. Für alle kleinen Singvögel ist dieses Gewächsein wahrer Leckerbissen; nur darf man es ihnen, ohne Nachtheil ihrer Gesundheit, nichtin zu großer Quantität geben. Am liebsten fressen sie die Saamen davon, und manpflegt es daher für Finken, Canarienvögeln u. dgl. an ihren Bauern aufzuhängen.Von dieser Gewohnheit scheinen die meisten Benennungen dieses Gewächses entstündenzu senn. Auch für Krebse, ju«ge Hühner und alles Federvieh ohne Unterschied, ist eSein angenehmes Futter. Die Blumen deS Vogelmeiers werden von den Bienen,besonders in den ersten Sommertazen, da sich noch wenig andere Blümchen auf denWiesen zeigen, fleißig besucht. I n der A rz>! enkunst ward dieses Gewächs vormalsinnerlich und äußerlich, als ein erweichendes, kühlendes und anfeuchtendes Mittel ge-braucht. Innerlich gab man entweder den frisch ausgepreßten Saft, oder das Kraut,wie Gemüse gekocht, in cer Schwindsucht, beym Blucspeyen, bey den mancherleyEntzündungen, im Seitcnstich, und als eine sogenannte Blulreinigung, bey der Krätzeund andern chronischen Hautausschlägen. In den Apotheken hatte man sogar ein ab-gezogenes Wasser davon vorräthig, das vorzüglich bey inflammatorischen Krankheitenals ein kühlendes Getränk empfohlen wurde. Aeußerlich bediente man sich des frischenzerquetschten Krautes, als Umschlag, bey den Augenentzündungen, auf Wunden undandere Entzündungsgeschwülste. Heut zu Tag ist dieses Mittel, seiner äußerst gerin-gen Wirksamkeit wegen, ganz außer Gebrauch gekommen. Noch ist dieses Pflänz-chenfürden tandwirth als ein nacücllcherW itter un g s proph et, oder als ein natürlicherR.'umenbarometer merkwürdig; denn bey heitern, Wetter richtet es des Morgens gegen