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1 (1839) Einfache Mittel
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NÜCES VOMICAE

Blumen an der Spitze der Anstehen in Doldentrauben; Kelch einblättrig,undeutlich 5zähnig; Krone einblättrig mit walzenförmiger Röhre undStheiligem Saum. 5 sehr kurze Staubfäden alterniren mit den Ein-schnitten der Krone. Die Frucht ist rundlich - eiförmig, von der Grösseeiner Orange, von goldgelber Farbe, mit einer glatten, harten, dochleicht zerbrechlichen Schale versehen, und enthält in einem weissen,wässrig-schleimigen, schwammigen Marke mehrere (810) Saamen-kerne, welche im Handel als Krähenaugen vorkommen.

Diese sind kreisförmig, meistens 8"10 Linien im Durchmesser,platt ,1 2 Linien dick, weisslich, gelblich oder aschgrau , mit feinenglänzenden, kreisförmig laufenden Haaren besetzt und in der Mitte miteiner nabeiförmigen Erhabenheit versehen, welcher auf der andern Seiteeine Eindrückung entspricht. Werden die Haare weggenommen, sokommt eine zarte braune Haut zum Vorschein, die behutsam abgenom-men nicht bitter schmeckt; der eigentliche Kern ist gelb oder braun.Der Geruch ist eigenthünilich, etwas balsamisch widrig, doch schwach.Der Geschmack ist höchst bitter, kaum gewürzhaft und bleibt langeauf der Zunge. Wegen ihrer hornartigen Beschaffenheit lassen sichdiese Saamenkerne schwer pulvern. Die gelblichen und schwerstensind die besten. Häufig kommen sie geraspelt in dem Handel vor.

Die grosse Bitterkeit der Früchte findet sich auch in allen übrigenTheilen des Baumes, als Holz, Wurzeln u. s. w.

Die Krähenaugen äussern sehr heftige und schädliche Einwirkungennicht nur auf Hunde und andere vierfüssige Thiere, sondern auch aufden Menschen. Diese- narkotischen Eigenschaften scheinen schon denArabern bekannt gewesen zu seyn.

Das kalte Wasser wirkt nur wenig auf die Krähenaugen, mehrzieht dasselbe bei der Digestion aus.

Ueber das narkotische Princip in den Krähenaugen sind wir durchdie Herren Pelletier und Cavektou belehrt worden. Durch ihreAnalyse der Ignatiusbohnen geleitet, vermutheten sie, was schon Pfapfausgesprochen hatte, eine grosse Uebereinstimmung der Bestandtheilein diesen natürlich so nahe verwandten Pflanzen und sie fanden dieseVermuthung, als sie die Krähenaugen nach der bei den Ignatiusbohnenbefolgten Methode einer Zergliederung unterwarfen, vollkommen bestä-tigt , denn als Resultat dieser Analyse ergaben sich dieselben dort ge-fundenen Bestandtheile, nur in abweichenden Verhältnissen. Die Krä-henaugen enthalten nämb'ch weniger Strychninsalz, aber eine grössereMenge festen Oeles und gelber färbender Materie. Neben dem Strych-nin fanden sie aber auch das in der falschen Angusturarinde entdeckteAlkaloid, das Brucin, wodurch es wahrscheinlich wurde, dass auchdiese Rinde von einer Strychnosart abstamme, wie bei der Angustttraangeführt ist.