Druckschrift 
1 (1839) Einfache Mittel
Entstehung
Seite
812
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

812

NITRI SPIRITUS FUMANS

P1

1

I

I

i

!

Der Taback wird selten und dann wohl vorzüglich im Aufgusse zuKlystieren, auch wohl im Extracte innerlich gegeben.

Nitrum. Spiritus fumans. Acidum nitroso - nitri-cuni. Rauchender Salpetergeist. Salpetrige Sal-petersäure. Hauchendes Scheidewasser.

Wird in chemischen Fabriken durch Destillation des mitconcenlrirter Schwefelsäure gemischten salpetersaurenKalis bereitet.

Eine pomeranzengelbe Flüssigkeit, an der Luft einen ro-then erstickenden Rauch aushauchend, aufs höchste ätzend,aus der concentrirten Salpetersäure und salpetriger Säurebestehend, oft mit Salzsäure gemischt. Bewahre sie vor-sichtig in einem gläsernen, mit gläsernem Stöpsel verschlos-senen Gefässe auf.

Die Bereitung der rauchenden Salpetersäure überlässt man den che-mischen Fabriken. Bei der Destillation muss die Retorte in eine grossegeräumige tubulirte Vorlage münden, welche mit einer WoulfischenFlasche in Verbindung steht, die noch mit einem Ableitungsrohre ver-sehen ist, damit der Apparat nicht zersprengt werde. Vorlage undFlasche bleiben leer und müssen während der Destillation mit Schneeund kaltem Wasser umgeben und immer kalt erhalten werden. 100 Th.Salpeter erfordern zu ihrer Zersetzung 48,5 Th. concentrirter Schwe-felsäure von 1,85 spec.' Gewicht. Die Schwefelsäure tritt vermöge ihrernähern Verwandtschaft an das Kali des Salpeters, KJ^, und die Sal-petersäure, welche an und für sich nicht ohne "Wasser bestehen kann,nimmt das von der concentrirten Schwefelsäure, SU, entlassene Wasserauf und fängt schon bei gelinder Wärme an überzudestilliren, was inder Art seinen ungestörten Fortgang haben könnte, dass sich schwe-felsaures Kali, KS, und wasserhaltige Salpetersäure, Ä-H, bilden.Dieser einfache eine gegenseitige vollständige Zersetzung bedingendeErfolg tritt jedoch nicht ein, weil das Kali sehr geneigt ist, mit det.Schwefelsäure ein saures Salz, KS 2 H, oder vielmehr ein Doppelsalz,KS -\- HS, zu bilden, welches einen Theil der zur Zersetzung dessalpetersauren Kalis erforderlichen Schwefelsäure zurückhält, so dass,um diese zu bewirken, eine stärkere Hitze, nämlich über 160° R., ein-wirken muss, durch welche aber die ausgetriebene Salpetersäure zumTheil zersetzt wird und in salpetrige Säure und Sauerstoifgas zerfallt,welchem letzteren durch das Ableitungsrohr der Ausgang gestattet wer-den muss, wogegen die salpetrige Säure, den ganzen Apparat mit