Druckschrift 
1 (1839) Einfache Mittel
Entstehung
Seite
629
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

ICHTHYOCOLLA

62»

Ei* scheint die verbreitetste aller bisher bekannten Störarten zu seyn.Der Sterletfang ist zwar nicht unbedeutend, jedoch kommt er in Russ-land weniger in Betracht als der Fang der grossen Störarten. DasFleisch desselben wird ungemein geschätzt; auch schmecken die Eierbesser als von andern Störarten. Die Schwimmblase giebt die besteHausenblase. 5) Acipenser stcllatus , gesternter Stör, Scherg,Sewrjuga. Findet sich im caspischen Meere und den sich darein er-giessenden Hauptströmen. Man fängt die Sewrjuga ungemein häufig,und zwar in Russland im Ganzen über eine Million. Das Fleisch unddie Eier werden mehr geschätzt als vom Hausen. Auch gilt die Hau-senblase als eine vorzügliche Sorte.

Aechte Hausenblase ist gelblichweiss, graulichgelblich bis bräun-lich, halb durchsichtig oder harzartig durchscheinend, oder matt, sehrzähe, biegsam, nur in der Richtung der Fasern leicht zerreissbar, ge-ruch- und geschmacklos, klebt beim Kauen. In kaltem Wasser er-weicht sie; bei SO —40 Grad Wärme löst sie sich, bis auf einige weiss-liche Fasern, sowohl in Wasser als wässrigem Weingeist auf. EineAuflösung von 1 Th. in 50 Th. Wasser ist warm flüssig, erstarrt aberbeim Erkalten zu einer Gallerte; sie wird erst durch eine doppelteMenge Weingeist von 0,82 getrübt. Galläpfeltinctur bewirkt anfangseine milchige Trübung und später erst Coagulation.

Als Verfälschungen der Hausenblase wird das Unterschieben vonHarnblasen oder der aus der innern Haut der Gedärme der Saugethiereangefertigten sogenannten deutschen Hausenblase angegeben.

John (Schweigc. J. XIV. S. 100) löste bei 20° R. 10 Gran auserlesene Hausenblase in Wasser auf, worauf y 4 Gran Membran zurück-blieb. Die Lösung erstarrte in der Kälte zur Gallerte. Zwei UnzenAlkohol schlugen aus der wenig verdünnten wannen Auflösung 7 GranGallerte nieder. Der Weingeist hatte Osmazom aufgelöst, das mitGalläpfelaufguss einen ungemein aufgequollenen gelben Niederschlaggab. 100 Th. Hausenblase bestehen nach John aus: reiner Gallerte(Thierleim) 70; Osmazom 16; freier Säure, vielleicht IVilchsäure, mitKali- und Natronsalzen und etwas phosphorsaurem Kalke 4,0; in ko-chendem Wasser nicht löslicher Membran 2,5 ; Feuchtigkeit 7,5.S. = 100.

Die Hausenblase wird gebraucht zum Klarmachen der Flüssigkei-ten , zum Leimen und zur Bereitung des sogenannten englischen Pflasters. Einen recht guten Kitt, um Porcellan oder Glas zu kitten, er-hält man, wenn man eine Unze Mastix in Alkohol auflöst und gleich-zeitig eine Auflösung von einer Unze vorher in Wasser aufgeweichterHausenblase in starkem Branntwein bereitet, zu welcher letztern Auf-lösung man noch eine halbe Unze gepulvertes Gummi Ammoniacum zu-setzt. Beide Gemenge werden in gelinder Wärme vereinigt und in

"4\