ACETUM
welche unter Vermittelung desselben, das hiebei glühend wird, zuWasser zusammentreten.
Bis jetzt ist der gewöhnliche Essig am häufigsten ein Product dersauren Gährung, und man benennt ihn Wein -, Honig -, Obst -, Frucht-oder Bieressig, je nachdem er aus Wein, Meth, Cider, gegohrnemMalzauszug oder Bier bereitet worden. Der Weinessig kann, wie derName schon anzeigt, nur in den Weinländern erzielt werden, wo dieschlechtem Weinsorten und auch die von selbst in anfangende Essig-gährung übergegangenen Weine zur Bereitung des Weinessigs imGrossen in besonders dazu eingerichteten Fabriken benutzt werden.Aber auch alle Säfte süsser Beeren und Früchte, welche Zucker- undGährungsstoff, und als Nebenbestandtheile Schleim, Aepfelsäure, Ci-tronensäure, Weinsteinsäure u. s. w. enthalten, und demnach, wennsie sich selbst überlassen bleiben, ganz ohne alles Zuthun in die wei-nige Gährung übergehen, ferner Gemische aus Zucker und Honig mitFerment und Wasser, sind vermögend, in die Essiggährung überzuge-hen und gute Essige zu liefern.
Zum pharmaceutisehen Gebrauch eignet sich jedoch vorzüglich einsolcher Essig, der aus dem reinen Erzeugnisse der geistigen Gährung,dein Weingeiste selbst, bereitet worden, wozu sich -der wohlfeile Kar-toffelbranntwein recht gut eignet, welcher von dem Fuselgeruche durchKohle befreit werden kann (dadurch nämlich, dass man 103 Mass des-selben mit 12 —15 Pfunden gröblich zerstossener frisch ausgeglüheterHolzkohle vermengt und ihn damit unter öfterm Umrühren einige Stun-den lang in Berührung und sodann durch Spitzbeutel von Filz laufenlässt), und leichter als jeder andere Branntwein säuert. Nach Döbb-heinkr (Anleitung zur kunstgemässen Bereitung der Essige. 1819.) ver-mische man in einem hölzernen Bottich 100 Mass starken Branntweinmit 800 —900 Mass lauwarmem reinen Fluss- oder Regenwasser, setzeder Flüssigkeit die nach folgender Vorschrift bereitete Essigmutter zu:nämlich 1 Pfund gute Hefen wird mit 10 Pfund Honig, 6 Pfund feingepulvertem Weinstein und 6 Mass bestem Obst- oder Fruchtessigvermengt, das Geinenge in einen irdenen oder steinernen Topf unddrei bis vier Tage lang in die Nähe eines geheizten Stubenofens ge-bracht, nach welcher Zeit das Ganze sich'vereinigt hat und jetzt dieEssigmutter darstellt: füge dann noch 15 — 20 Mass guten Essig hinzu,und rühre alles wohl durch einander. Hierauf vertheile man das Ganzeentweder auf kleine Essigfässer oder auf steinerne Krüge, wovon je-der 16 — 20 Mass fasst, und stelle diese ungefähr nur f damit gefüll-ten Gefässe neben und unter einander in die Essigstube, wo Tag undNacht eine Warnte von 18 — 20° R. unterhalten wird. Nach wenigTagen hebt die saure Gährung an, die Flüssigkeit wird Tiach undnach trübe und dabei wärmer, als die sie umgebende Luft ist, siekommt in sanfte innere Bewegung und lässt ein zischendes Geräusch
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