Druckschrift 
1 (1828) Einfache Mittel
Entstehung
Seite
461
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Ilelleli«ru8 aldus

461

weiße Niesivurz officinell. Sie ist eine unförmliche, einigermaßen konischabgestumpfte, knotige, dicke Wurzel von 23 Zoll länge, -z1 Zoll Dicke,fest, schwer, holzig, außen runzlig, gleichsam warzig, schwärzlichbraun, innenweiß. Die Wurzel hat getrocknet keinen Geruch, aber einen höchst scharfen,brennenden und bitterlichen Geschmack, noch lange eine Empfindung vonTrockenheit im Munde zurücklassend. Ihr Staub reizt aufs heftigste zum Nie-sen, man muß sich also vor demselben beim Pulverisiren der Wurzel zu be-wahren suchen.

Pelletier und Eaventou (Trommsb. N. I. V. 2. S. 92.) zerleg-ten die weiße Nieswurzel, nach demselben Verfahren, welches sie bei der Un-tersuchung des Sabadillsaamens anwandten, wie dort näher angegeben wer-den soll. Nach ihrer Analyse enthält diese Wurzel: eine fette Materie, durchAether ausgezogen, zusammengesetzt aus Elai'ne, Stearine und einer flüchti-gen Säure, welche wenig verschieden ist von der aus dem festen Sabadillöleerhaltenen, die jedoch nicht krystallinisch konnte dargestellt werden; sauresgalläpfelsaures Veratrin und gelben Farbestoff, beide durch Alkohol ausgezo-gen; Gummi, durch kaltes, Stärkemehl, durch heißes Wasser ausgezogen,worauf eine große Masse holziger Theile zurückblieb. Die Asche war zusam-mengesetzt aus kohlens. und Phosphors. Kalke, kohlens. Kali, Kieselerde undschwefeis. Kalke.

Von dem Veratrin oder Sabadillin, als einem eigenthümlichen Alkalllid,wird bei 8cld2ÜM^ die Rede seyn.

Pf äff (Syst. d. ^2t. me<z. VII. S. 230.) suchte das Veratrin aufdieselbe Weise, wie das Chinin, zu gewinnen dadurch, daß er die Wurzelmit verdünnter Schwefelsäure digerirte, mit gebranntem Kalke niederschlugund den Niederschlag auszog. Es wurde eine ziemliche Menge einer gelblich-weißen, getrocknet pulverigen Substanz erhalten, die aber durchaus keine al-kalische Eigenschaften zeigte, auch keinen Geschmack hatte, und unter allenSubstanzen dem Wachse am nächsten kam, sich aber von demselben durch ihreleichte Auflöslichkeit in warmen Alkohol unterschied, aus welchem sie beimErkalten, so wie bei der Zumischung von nur sehr wenigem Wasser ausschieb,ferner durch die sehr geringe Löslichkeit in Aether, folglich als eine eigeneModification des Wachses zu betrachten ist. Außer dieser weißen wachsühn-lichen Materie hatte der Alkohol aus dem Kalkniederschlage gelbfärbendenStoff aufgenommen. Sollte, fragt P fa ff, das Veratrin der weißen Nieswurzelin Wasser auflöslicher seyn, als das des Sabadillsaamens ? (oder sollte es über-haupt verschieben, ober auch durch die Gewinnungsart verändert worden seyn?)

Die weiße Nieswurzel erregt heftiges Erbrechen und Purgiren, erheischtalso bei etwaniger innerlicher Anwendung die größte Vorsicht, da sie zu denaufs höchste drastischen Arzneistoffen gehört. Bei Vergiftungen damit sindTamarinden, Cremor Tartari, einhüllende und demulcirende Mittel, undder schwarze Kaffee innerlich und in Klysticren als Gegenmittel zu gebrau-chen. Aeußerlich mit Fetten zur Salbe gemacht, hat sich die Wurzel gegenKrätze sehr wirksam bewiesen.