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Es ist im Handel eine Gentianwurzel mit narkotischen Eigenschaftenvorgekommen (Verl. Jahrb. 1815. S. 69,), die aber nicht, wie sonst ange-geben wird, mit den Wurzeln des Itanuneulu« 1'nni-H (die graubraun,blasser, selbst weißlich, spröde, von widrigem Gerüche und stechend brennendemGeschmack« sind), noch weniger mit Belladonna- oder weißen Nieswurzeln(die beide so wenig Ähnlichkeit mit dem rothen Enzian haben, daß nur beider gröbsten Unkunde und Unachtsamkeit eine Verwechslung möglich ist) ver-mengt waren, die man auch darunter gefunden haben will. Diese narkoti«schen Enzianwurzeln unterscheiden sich von den officincllen 1) durch eine imAllgemeinen geringere Größe; 2) durch eine durchaus hellere Farbe des In-nern wie des Aeußern, und Z) durch bedeutend schwächern Geruch. ChemischeReagentien ließen aber keine Verschiedenheit wahrnehmen. Die HerreuSchrader und Stabe roh äußern in ihrem Gutachten die Vermuthung,daß die Verschiedenheit der sonst ächten Gentianwurzel durch unzeitige Ein»sammlung herbeigeführt worden seyn könne, oder daß sie von einer andernGentiana, >A!, B. U. puncwt» genommen seyen. Nach Planche enthältindeß jede frische Gentianwurzel narkotisches Princip, und das auf frischenWurzeln stehen gelassene Wasser bekommt jedesmal einen ekelhaften Geruch,und verursacht narkotische Zufälle. Vielleicht waren also jene Wurzeln nochzu frisch.
Das Enzianpulver ist hellbriunlich, beinahe wie Chinapulver. DasWasser zieht schon in der Kälte die bittern und ertractiven Theile reichlichaus, besonders wenn das Pulver damit gerieben wird. Ein solcher wäßri-ger Aufguß ist vollkommen klar nnd durchsichtig, von hellbräunlich rotherFarbe, im ersten Augenblicke von kaum merklich süßem, dann aber sogleichanhaltend rein bitterm Geschmack, und von schwachem, angenehmen, eigen-thümlichem, süßlich-bitterm Gerüche. Der Weingeist zieht eine schön goldgelbeTinctur aus, die viel reiner und stärker bitter ist, als der wäßrige Aufgußund durchaus keinen süßlichen Beigeschmack hat.
Acht Pfund Wurzeln geben drei Pfund wäßriges Extract.
Nach den Bemerkungen und chemischen Versuchen von Schrader(Trommsd. N. I. III. 2. S. 272.) und Henry (ebend. S. 281,) habenHenry und Caventou (Trommsd. N. I. VI. 2. S. 79. und Berl.Jahrb. XXIV. 1. 1822. S. 99.) durch eine ausführliche Analyse die Be-standtheile des rothen Enzians kennen gelehrt.
Gepulverter Enzian wurde mit Aether digerirt und nach Verlauf von24—48 Stunden eine grünlichgelbe Tinctur erhalten, aus welcher, wennman sie langsam verdunsten läßt, eine beträchtliche Menge sehr kleiner gel-ber nadelförmiger Krystalle anschießen. Wird die Ausziehung, ohne die Kry-stallisation abzuwarten, durchs Verdampfen sehr concentrirt, so erhält mannach dem Erkalten eine gelbe krystallinische, aber dabei weiche und klebrigeMasse. Zieht man diese mit absolutem Alkohol so lange aus, als er nochFarbe und Geschmack annimmt, so bleibt eine sehr klebrige, härtliche, grün-lichweiße Nasse zurück, die sich in allen Stücken wie Vogelleim verhält.