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Urea
Der Harnstoff krystallisirt in vierseitigen Prismen, die durchsichtig,farblos und von Perlmutterglanze sind. Er hat einen eigenthümlichen, abernicht harnartigen Geruch. Spcc. Gew. 1,35. Er rcagirt weder auf Lack»mus- noch auf Kurkumepapier; in der atmosphärischen Luft erleidet er keineVeränderung, außer daß er bei sehr feuchter Witterung schwach deliqucicirt.In starker Hitze schmilzt er, wird zum Theil zersetzt, und zum Theil ohnealle Veränderung sublimirt. Der Harnstoff ist sehr auflöslich in Wasser;Alkohol löst bei gewöhnlicher Temperatur an 20 Proc. auf, kochender Al-kohol bedeutend mehr als sein eigenes Gewicht; beim Erkalten scheidet erkrystaUinisch aus. Die feuerbeständigen Alkalien und alkalischen Erden zer-setzen ihn. Er verbindet sich mit den meisten Metalloryden, und bildet mitder Salpeter- und Oralsäure krystallinische Zusammensetzungen.Der Harnstoff besteht nach Prout nach Verard nach Fourcroy
und Vauquelin
Stickstoff
46,650
45,2
52,5
Kohlenstoff
19,976
18,9
14,7
Wasserstoff
6,650
9,7
13,3
Sauerstoff
26,65«
26,2
Z9,6
99,925
100,0
100,0
Prout wandte Harnstoff zu seiner Analyse an, der bei 93" im luft-leeren Räume mittelst Vitriol ausgetrocknet war, seine Analyse kann als dierichtigste gelten, und wir können demnach den Harnstoff als zusammengesetztansehen, aus 1 Doppelat. Stickstoff (— 177,026); 1 At. Kohlenstoff (--,76,437); 2 Doppelat. Wasserstoff (— 24,959) und 1 At. Sauerstoff (^-100,000), wonach er die stöchiometrische Zahl erhielt: ^ 611^0 — 378,432.Berechnen wir hieraus die Zusammensetzung des Harnstoffs, so ergiebt sichfolgendes VerlMniß der Bestandlheile: Stickstoff 46,78; Kohlenstoff 20,20,Wafferstoff 6,59; Sauerstoff 26,43.
-Da die Vereitung des reinen Harnstoffs in größern Mengen zu medi»cinischer Anwendung kostspielig ist, und auch nur bei Frostkälte das obenangegebene Verfahren befolgt werden kann, so hat Buch« er (Repert.XXlll. 1826. S. 426.) ein weingeistiges Harnextract zur Anwendung em-pfohlen, welches folgendermaßen bereitet wird: Frisch gelassener Harn vonjungen völlig gesunden Menschen wird sogleich zur Syrupsconsistenz abge-dampft. Da aber der Harnstoff beim Siedepunkte des Wassers äußerstleicht zersetzt wird, und kohlensaures und essigsaures Ammoniak von sichgiebt, so muß beim Abdampfen keine Siedehitze angewendet werden, son-dern das Abdampfen muß im Sand- oder Wasserbade bei einer Temperaturvon 50—60° R. geschehen. Der abgedampfte Harn ist braun und übel-riechend. Man übergießt jetzt die Masse in einem Kolben mit der 4 — 6fachen Menge höchst rcctificirten Weingeistes, worin sich der Harnstoff, nebstdem Farbestoffe, der Milchsäure und einigen Salzen auflöst. Die Auflösungwird siltrirt, und mit gepulverter Knochenkohle unter öfterm Umschüttelneinige Zeit lang in Digestion gestellt, um den üblen Geruch zu entfernen.