Druckschrift 
2 (1857)
Entstehung
Seite
317
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

- 317 -

bei starker Koncentration weisse Dämpfe (Chlorwasserstoff-dämpfe) ausstösst. Das Präparat der Ph. Bor. «nd Hamb. istkaum rauchend, hat .aber einen ätzenden Geruch nach Chlor-wasserstoff. Keine der Pharmakopoen verlangt ein reines Prä-parat. Somit genügt auch nur die Prüfung seiner gedach-ten Eigenschaften.

Aufbewahrung. Die Antimonchloridlösung wird ingläsernen Gefässen mit Glasstopfen und gut tektirt aufbewahrt.Sie ist ein ätzendes Gift. Ihrer Anwendung ist eine äusser-liche. Im Handverkauf wird sie häufig unter dem NamenSpiessglanzbut t er" gefordert. Ihrer Abgabe als Aetzmit-tel in sichere Hände steht Nichts entgegen. An unwissendeund nicht zuverlässige Leute dispensirt man in seiner Stellerohe rauchende Salzsäure.

Es giebt zwei bemerkenswerthe Verbindungen des Antimons mitChlor. Die dem Antimonoxyd entsprechende ist das Antimonchlo-rid, 3fach-Chlorantimon, SbCI 3 , dessen Lösung in ChlorwasserstofTsäureden officinellen Liquor Siibii chlorati darstellt. Rein ist es bei gewöhn-licher Temperatur eine starre weisse krystallinische weiche Masse, wel-che den Namen Spiessglanzbu tter erhielt. Diese schmilzt bei 100° C.zu einer ölartigfliessenden Flüssigkeit, siedet bei 180° und bildet einschweres farbloses Gas. An der Luft zieht sie unter Ausstossen vonweissen Dämpfen Feuchtigkeit an und wird flüssig. Auf Zusatz vonmehr Wasser wird sie zersetzt, indem sich ein basisches Chlorid, eineVerbindung von Antimonoxyd mit Antimonchlorid in verschiedenen Ver-hältnissen, auch Algarothpulver {Mercurius vitae) genannt, abscheidetund in der Flüssigkeit etwas Antimonchlorid mit Chlorwasserstoffsäuregelöst bleibt. Weinsteinsäure, so wie auch überschüssige Chlorwasser-stoffsäure verhindern diese Fällung indem sie den Niederschlag wiederauflösen. Mit den Chloriden der Alkalien bildet das Antimonchlorid inWasser lösliche Doppelchloride. Weingeist löst es ohne Zersetzung.Das erwähnte Algarothpulver ist ein weisses krystallinisches Pul-ver, welches ungefähr 90 Proc. Antimonoxyd enthält und durch Aussüs-sen mit heissem Wasser nur Antimonoxyd hinterlässt, während seinChlorgehalt als Chlorwasserstoff weggespült wird Auch durch Behan-deln mit kohlensauren Alkalien lässt sich sein Chlorgehalt entfernen.Lässt man nach Vermischen der Antimonchloridfiüssigkeit mit Wasserdas ausgeschiedene Algarothpulver mehrere Tage in der Flüssigkeitstehen, so verwandelt es sich in eine grauweisse, aus kleinen schiefenrektangulären Säulen bestehende Krystallmasse. Beim Erhitzen des Al-garothpulvers entweicht sein Antimonchlorid und Antimonoxyd hinter-bleibt. Das trockne Antimonchlorid kann man durch Destillation einesGemisches aus 7 Th. Quecksilberchlorid und 3 Th. Schwefelantimonunter Heisshalten des Retortenschnabels darstellen. Im Rückstande bleibthier Schwefelquecksilber, welches bei stärkerer Erhitzung als Schwefel-antimon (Cinnabaris Antimonii) sublimirt.