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1 (1860)
Entstehung
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I

formator der modernen Chemie, das Recht zu sagen: „La chimieest une science, dont le but est 1' etude des corps, qui n'existentpas," und allerdings ist auch in gewisser Beziehung die Chemieeine Wissenschaft deren Zweck es ist, Verbindungen darzustellenund au erforschen ; deren Möglichkeit zwar in der Natur gegebensein muss, die aber, ohne die souveraine Willkür des Menschen,in ihr sich nie gebildet haben würden. Die Lehre von den Zer-setzungsprodukten organischer Körper ist jener Abschnitt unsererWissenschaft, auf den die Laurent'sche Definition völlig passt,wenn man seinen satyrischan Ausdruck „Existenz der Verbin-dungen" mit Präformation zu übersetzen sieh herbeilässt.

In der Ueberzeugung, dass der letzte Grund das Einfachstealler Dinge und Wissenschaften, das,man möchte fast sagen, in-stinktmässig Erfasste, und im dunkeln Bewusstsein Gegebene,zu allerletzt wissenschaftlich erkannt, und scharf formulirt wird,behaupten wir, dass eine vollkommene präcise und erschöpfendeDefinition der Chemie heut zu Tage zu den Unmöglichkeiten ge-höre. Die Chemie des heutigen Tages ist ein massenhaftes mehrweniger gücklich geordnetes, durch den praktischen Zweck ge-rechtfertigtes Aggregat von Thatsachen, Gesetzen, Hypothesen undBeschreibungen; aber zur systematischen Einheit, d. h. zur wirk-lichen logischen Wissenschaft, die aus Einem logischen Prinzipealle ihre Consequenzen ableitet, hatte sie es noch nicht gebrachtund konnte sie es noch nicht bringen.

Die Chemie hat ihre Arithmetik, die Stöchiomctrie, sie hatihre Physik, die sehr dünne und unvollständige Erklärungswis-senschaft der Gesetze und Wirkungsweise der chemischen Affi-nität, sie hat ihre Naturgeschichte, ihre Physiegraphie, die be-schreibende Eigenschaftslehre der Elemente und ihrer Verbindun-gen, so dass man fast versucht wäre, die gesammte Mineralogiezu einem Kapitel der Chemie zu stämpcln; wie will man nundas heterogene Accumulat spezifisch verschiedener Wissenschaf-ten in die Zwangsjacke einer einzigen Definition pressen ? —Nur soviel ist gewiss, dass die Chemie als Kraftlehre die Erfor-schung der Wirkungsweise der Affinität (eines Unterfalls der all-gemeinen Molekularaktion) ebenso zu leisten habe, als die physio-graphische Charakteristik und Nomenklatur ihrer Grundstoffe undVerbindungen.