dieser fortdauernden neueren Aera, in der der Sturz des Muriumsdurch die Entdeckung des Chlors, die Entdeckung der künstli-chen Darstellung des Harnstoffs durch Wo hl er, die Vollendungder organischen Elementaranalyse durch Lieb ig und die Ent-deckung der gepaarten Ammoniake durch Würz, II off mannund Falkland, die Bildung der Metallbasen durch Reiset, L öwigund noch manches Andere ebenso viele Höhepunkte der immerwachsenden Erkenntniss darstellen.
Was nun die Definition dieser Wissenschaft anbelangt, so istsie ebenso selbstverständlich, als schwierig formulirbar. Man hatsie die Lehre genannt, wie die Körper zusammengesetzt sind,undwie sie zusammengesetztwerden, um ihrer dualistischenMethode der Analyse und Synthese, der Scheidung und BildungRechnung zu tragen. Man hat sie die Lehrevonden Elementenund ihren Verbindungen genannt, aber bei der logischen Puri-fication dieser Definition hat man das wesentliche Merkmal: „E1 e-ment" nicht objektiv und immanent, sondern nur subjektiv undtransitorisch als den mageren Begriff eines bisher noch nichtzerlegten Stoffes zu bestimmen vermocht. Die modernenElemente sind nicht die unverrückbaren Axiome einer scharfen,durch innere Notwendigkeit starken Theorie, sondern diewandelbaren hypothetischen Postulate einer zwar ewig weitersich entwickelnden, aber ihrer gegenwärtigen Schwäche bewusstenPraxis, die sich nicht für unfehlbar hält. Man hat die Chemievon den blos beschreibenden Wissenschaften (Physiographie) alserklärende Wissenschaft getrennt, sie aber auch nicht in einblosses Kapitel der erklärenden Naturlehre (Physik) eingezwängt,sondern sie als die Lehre von den wesentlichen Substanzverän-derungen der Materie der Physik, unabhängig und selbstständiggegenübergestellt. Ja, der Drang der Forscher dieses Faches, dieGeheimnisse der stofflichen Bezüge zu ergründen, die engenGränzen, wie sie die Natur für die präformirten Verbindungendes Mineral-, Pflanzen- und Thierreichcs gezogen hat, kühn zudurchbrechen, die gegebenen Verbindungen nach individuellenscharfsinnigen Hypothesen zu spalten, die bekannten Grundstoffein neuen erzwungenen Kombinationen an einander zu kuppeln,wobei häufig die Thatsache auf dem Götzenaltar individuellerLaune geschlachtet wurde, gab Laurent, diesem kaustischen Re-
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