— 632 —
Erklärung. Nimmt man an, das Blutlaugensalz be-stehe aus Kaliumcyanid und Eisencyanür, so wird, wenn sol-ches mit wasserhaltiger Schwefelsäure erhißt, vermöge partiellerWasserzersetzung und Vereinigung dessen Sauerstoff mit demKalium einerseits Kali/ dann durch Zusammentreten von Cyanund Wasserstoff Blausäure gebildet; die vorhandene Schwefel-säure bemächtiget sich des Kalis, wodurch die Blausäure freiw>rd, die mit dem zugleich in Dampf versetzten übrigen Wassersich verflüchtiget, in der kühl erhaltenen Vorlage sich wiedercondensirt. Wenn die Einwirkung der Schwefelsäure auf dasobbcnannte Salz gleichmäßig erfolgen, und aus dem obgedach»ten Cyanide unverändert Blausäure abgeschieden würde, somüßten von den 2 Unzen Blutlaugensalz 248,4 Gran derselbenübergehen; nun aber ist es bekannt, daß bei Anwendung allerVorsichtsmaßregeln nur ^ von der dem Kaliumcyanioe entspre-chenden Menge Blausäure frei wird; die Ursache ist, weil dasEisencyanür einen Theil ('/^) des vorgenannten CyanideS auf-nimmt, weßhalb außer, überschüssige Saure enthaltendes schwe-felsaures Kali noch eine Doppcloerbindung des Eisencyanürs mitKaliumcyanid, nämlich Kaliumeisencyanür nebst Eisencyanürim Rückstande bleibt, welcher eine gelb- oder grünliche Farbe be-sitzt, aber mit Wasser zusammengebracht, sich nach und nachdunkler, endlich tief blau färbt; aber auch die dem nicht gebun-denen Kaliumcyanide proportionale Quantität Blausäure wirdnicht ganz unverändert abgeschieden, fondern da sie leicht ent-nnschbar, so wird hieraus immer mehr oder weniger Ameisensäureund Ammoniak gebildet, die mit übergehen. — Früher glaubteman nur durch eine sehr gelinde Destillation der partiellen Blau-säurezersetzung vorzubeugen, jedoch haben mehrseitige Verjuchebewiesen, daß eine angemessen beschleunigte Operation beieiner 110° R nie übersteigenden Temperatur, ein am meiste»gleichförmiges Destillat gibt, wobei aber ein heftiges Kochen *)jedenfalls zu vermeiden und es nicht nöthig ist, zur vollständigenTrockenheit zu desiilliren, nachdem die Blausäure ganz überge-
") Wendet man auf 2 Unzen Nlutlaugensalz 1'/2 Unze Vitriolöl an,so erfolgt die Zersetzung desselben viel leichter und es erfolgt keinheftiges Aufstoßen, weil sich aus dem sauren Fluidum kein festesSalz ablagern kann.