218 Sechster Abschnitt. Angewandter Thcil
schlissige Baryt. Es konnten also im Filtrat nur die Salze der fixen Alka-lien und des Ammoniaks vorhanden sein mit den organischen Stoffen, welchedurch die spätere Gliihung zerstört wurden.
12) Harnzucker.
Man vermischt gleiche Volume Harn und dünne Kalkmilch und filtrirt.Vom Filtrat erhitzt man 20 bis 40 CC. mit einer überschüssigen Mengeeiner alkalischen weinsteinsauren Kupferlösung im Wasserbade, bis sich dasKupferoxydul vollkommen abgeschieden hat. Die überstehende Flüssigkeitmussnoch von Kupfersalz grün gefärbt sein. Man bringt die Flüssigkeit aufein Filtrum und süsst rasch mit heissem Wasser aus. Den Niederschlagspritzt man mit einem kräftigen Strahl grösstenteils in eine weithalsigeFlasche und wäscht das Filtrum mit Salzsäure und Wasser aus. Dieübrige Menge des Kupferoxyduls bringt man ebenfalls mit Salzsäure, allen-falls unter Zusatz von etwas Kochsalz, wenn sich nicht alles lösen sollte,in Lösung und titrirt das Ganze mit Chamäleon. Ist der Niederschlagsehr bedeutend, so macht man die Lösung in einer 300 CC.Flasche, fülltbis an die Marke an, schüttelt um und nimmt 100 CC. davon heraus, dieman mit viel Wasser verdünnt mit Chamäleon misst. Die .jfache Mengedes verbrauchten Chamäleons gab dessen ganze Menge, welche nach demTagestitre auf Eisendoppelsalz reducirt wurde. Dieses mit 0,111 (I, S. 205)multiplicirt, giebt den Harnzucker, den man auf 100 CC. Harn berechnet.
13) Jod.
Wollte man aus wissenschaftlichem Interesse den aus Arzneien oderBädern oder Einreibungen in den Harn übergegangenen Jodgehalt er-fahren, so muss das Jod erst ausgeschieden werden. Am besten destil-lirt man den Harn mit viel Eisenchlorid und sammelt das Destillat vor-sichtig auf. Das Jod ist im freien Zustande darin enthalten. Man be-stimmt seine Menge chlorometrisch mit arsenigsaurem Natron, entwederindem man eine gemessene überschüssige Menge davon hinzubringt, undnach Zusatz von frischer Stärkelösung mit titrirter Jodlösung rückwärtsgeht (I, 8. 320); oder man löst das Jod mit Jodkalium, bläuet mit wenigStärkelösung, setzt etwas doppelt-kohlensaures Natron zu und fügt nunbis zum Verschwinden der blauen Farbe zehent-arsenigsaures Natronhinzu.
N1 CC. — arsenigsaures Natron 0,012688 Grm. Jod.
In gleicher letztbeschriebener Art kann man sich des zehent-unterschwefligsauren Natrons bedienen (I, S. 385).
14) Summe der fixen Bestandtheile.
100 CC. Harn werden in einer Platinschale zur Trockne gebrachtund geglüht, und die Einäscherung durch hinzugeworlenes reines salpeter-saures Ammoniak, bis die Masse vollkommen weiss ist, vollendet. Nachdem Erkalten der Schale unter einer Chlorcalciumglocke bestimmt mandas Gewicht der Schale sammt dem Inhalt. Durch Abziehen des Ge-wichtes der Schale erhält man den Rückstand sogleich in Procenten.