Zwanzigstes Capitel. Essigsäure. M
Vom obigen Essig wurden 4,9 CC. genommen und darauf genau26,4 CC. Normalnatron verbraucht. Der Procentgehalt ist also 26,4,iä°t genau wie oben.
Die preussische Pharmacopoe verlangt für Acetum concentratum einenGehalt von 25 Pi-oc. wasserleerer Essigsäure.
lieber Acetum glaciale habe ich eine Reihe Versuche in meinemCommentar zur preussischen Pharmacopoe (2. Aufl. 1. Bd. S. 29) mit-getheilt, auf welche ich hier verweise. Sie zeigen die leichte Anwend-barkeit der Methode auf diese flüchtige Säure.
Ich bemerke noch, dass der Farbenübergang bei schwachen Säurennicht so rasch und deutlich ist, als bei starken, indem hier auch dieletzte Spur noch freier Säure das Lackmuspigment stark röthet.
Bei der Essigsäure gehe ich bis auf die vollständig blaue Farbe,il. h. bis ein Tropfen der Natronflüssigkeit in der bereits gefärbten Flüs-sigkeit nicht mehr als ein blauer Flecken erscheint.
Der farblose oder schwach gefärbte Spritessig kann ebenfalls direetmit Normalnatron abgelesen werden. Ein guter gewöhnlicher Essig hatein specif. Gewicht von 1,01 bis 1,011. Wollte man nun 5,1 Grm. her-
5,1
auspipettiren, so müsste man
5,04 CC. herausnehmen. Wenn
1,011
man die 4 / 100 CC. vernachlässigt, so stellt sich die einfache praktischeFormel heraus, dass, wenn man 5 CC. Essig herauszieht, die verbrauch-ten CC. Normalnatron gerade die Procente an wasserleerer Essigsäureangeben. Nimmt man 10 CC. Essig, so hat man natürlich die ver-brauchten CC. zu halbiren.
Ein ganz klarer Schnellessig wurde zu diesen Versuchen verwendet.
1) 10 CC. = 11,8 Normalnatron = 5,9 Proc.
2) 5 .. == 5,9 „ = 5,9 „
3) 5 „ =r 5,9 „ = 5,9 „
Bei stark gefärbten Essigen, wie Fruchtessig, Bordeauxessig, Holz-essig lässt jedoch die Methode in dieser Form im Stich. Bei Holzessigentstellt eine schwarzbraune Färbung, welche gar nichts mehr erkennenlässt. In diesem Falle hilft man sich gewöhnlich mit Lackmuspapier.
Nachdem man die Flüssigkeit abpipettirt hat, macht man einenStrich auf blaues Lackmuspapier, um die vollständige Wirkung der un-vermischten Säure zu erkennen. Dann lässt man unter Umrühren dasNormalnatron hinzufliessen. Zum Rühren bediene ich mich des Büschelsder Fahne einer Feder, welche selbst nach dem Abstreichen am Glasenoch feucht genug ist, um einen Strich auf dem Lackmuspapier zumachen. Man wiederholt nun die Striche so häufig, als es die Erschei-nung fordert, d. h. gegen Ende häufiger, fast nach jedem Tropfen Zu-satz. Man hält die Operation für beendigt, wenn das blaue Lackmus-papier nicht mehr geröthet und das rothe noch nicht gebläut wird. Beisehr brandigem Holzessig ist aber auch diese Erscheinung schwer zuerkennen und es bleibt eine unwillkommene Latitüde in der Beurthei-