44
Zweiter Abschnitt. Alkalimetric.
neutralen Violett die beiden Farbentöne der sauren und alkalischenReaction einfach gemischt. Dagegen ist es auch wichtig, keinen Salmiakim Ueberschuss anzuwenden, indem Fälle vorkommen, wo alkalischeFlüssigkeiten heiss mit der Lackmustinctur zusammenkommen. Es wür-den alsdann kleine Mengen des fixen Alkalis durch Zersetzung des Sal-miaks und Verflüchtigung des Ammoniaks gesättigt werden.
Wenn man die Tinctur durch Säuren empfindlich machen will, sodarf man auch nicht jede Säure nehmen, so z. B. nicht Schwefelsäure,weil bei Barytoperationen Niederschläge entstehen. Dasselbe gilt vonder Kleesäure. Man würde deshalb solche Säuren vorziehen, welchenur lösliche Salze haben, wie Essigsäure und Salpetersäure.
Die fertig gemachte Tinctur bewahrt man in einem offenen Glasemit darin stehender Pipette, Fig. 57, an welcher ganze CC. markirt sind.
Fig. 57.
Es ist dadurch immer Luftzutritt gegebenund man hat an der Pipette ein bequemesMaass, um immer gleiche Mengen Tincturnehmen zu können.
Andere bedienen sich statt des Lackmusder geistigen Tinctur von Campechen- undFcrnambukholz. Diese haben eine deutlichgelbe Farbe, welche durch Säuren sehr hellwird. Durch Alkalien wird Fernambuk-tinctur schön klar violett, die Campechen-holztinctur dunkel violett.
Die doppelt kohlensauren Alkalien unddie freie Kohlensäure wirken ebenfalls aufdas Pigment, und eine fast gelbe Lösunglässt sich wieder violett kochen, indem mandie doppelt kohlensauren Alkalien zerstört.Venu man destillirtes Wasser mit diesenTincturen färbt, so ist der Farbenübergangallerdings sehr scharf bei einem Tropfen; sind aber grössere Mengenvon Salz vorhanden, worunter kohlensaures Alkali, so ist der Ueber-gang langsamer und nicht so zuverlässig. Bei öfterem Uebergange voneinem zum anderen habe ich den Farbenwechsel des Lackmuspigmentesimmer am deutlichsten gefunden.
Sehr wünschenswerth wäre ein Farbestoff, der im sauren Zustandeganz farblos und im alkalischen erst gefärbt erschiene. Ein solcher istmir jedoch nicht bekannt. Man hat ein solches in der sauren Auflösungdes gallussauren Eisenoxyds gesucht. Dieser Körper ist erst in einergrösseren Menge freier Säure löslich und wird bei der Fällung dann all-mälig niedergeschlagen, so dass die ganze Erscheinung der Färbunglängere Zeit dauert. Nimmt man nur sehr wenig, so tritt die Färbungschwach ein, nimmt man mehr davon, so dauert die Fällung so lange,als die zur Lösung nöthige Säure im Sättigen begriffen ist.
Lackmustinctur mit Pipette.