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1 (1875)
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523
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Die Stimmbildung.

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und zwar dadurch, dass die Processus vocales stärker aneinandcrgcdrängt-werden, und dadurch der hintere Theil der (Stimmbänder so gegenein-ander gedrückt wird, dass er nicht mitschwingt, dass ein Knoten ent-steht, in ähnlicher Weise, wie ein solcher an einer Violinsaite dadurcherzielt wird, dass man den Finger auf die Saite aufsetzt und sie nieder-drückt. Rühlmann hat darauf aufmerksam gemacht, dass möglicher"Weise im vorderen- Thcile des Stimmbandcs ein zweiter Knoten gebildetwerden kann. Hier liegt ein kleines knorpelartigos Gebilde, das manals Luschka's vorderen Sesamknorpcl bezeichnet. Ein Theil der Fasernder inneren Partie des Musculus thyreoarytaenoideus, welche man alsThyreoarytacnoideus internus bezeichnet, heftet sich an denselben; andereziehen nach aussen hart an ihm vorüber. Es ist also wohl möglich, dassdiese Fasern, indem sie sich anspannen, beide Sesamknorpel aneinanderdrängen und so einen vorderen Knoten bilden. Auf der Erzeugung solcherKnoten im vorderen oder hinteren Theile der Stimmritze beruht es wohl,dass die Sänger einhellig angeben, dass, wenn sie angesetzt hätten zueinem gewissen Tone, sie dann durch eine Reihe von Tönen aufsteigenkönnten, ohne etwas in ihrem Kohlkopfe zu verändern, dass sie aberdann, wie sie sich ausdrücken, einen neuen Einsatz nehmen müssten,um wieder weiter im Tone aufsteigen zu können. Es erklärt sich diesso, dass sie erst ihre Giessbeckenknorpel und ihre Processus vocales ineiner bestimmten Lage fixiren, dann durch Anspannen der Stimmbändermittelst des Cricothyrcoideus aufsteigen, so weit sie können; dann aber,wenn sie noch weiter aufsteigen sollen, erst ihre Processus vocalesstärker aneinanderdrängon, mit einer schwächeren Spannung der Stimm-bänder anfangen und nun wiederum durch stärkere Spannung der Stimm-bänder aufsteigen.

Diese Art der Stimmbildung, bei welcher das Stimmband, soweit esnicht durch Anoinanderdrängcn der Processus vocales festgestellt ist, alsGanzes schwingt, ist nicht die einzige. Es ist Ihnen bekannt, dassMänner, welche doch an sich eine vcrhältnissmässig tiefe Stimme haben,mit schwächerer Stimme auch in einer vcrhältnissmässig hohen Tonlagesingen können. Man nennt diese veränderte Stimme die Fistelstimme.Ich habe in Heidelberg einen Studenten gekannt, der das Duett zwischenDon Juan und Zcrline allein sang, den Don Juan mit Bruststimme,die Zerline mit Fistelstimme. Ueber die Art und Weise, wie die Fistel-stimme hervorgebracht wird, und über die Art und Weise, wie sie sichvon der Bruststimnie unterscheidet, sind verschiedene Ansichten vor-gebracht worden. Die wahrscheinlichste ist aber wohl noch immer die-jenige, zu welcher Johannes Müller durch seine Versuche gelangt ist,die, dass bei der Fistelstimme nur der Band des Stimmbandes schwinge,während bei der Bruststimme das Stimmband als Ganzes schwinge. Aufdie Höhe des Tones der Stimme hat man auch der Weite, der Oeffnungder Stimmritze einen wesentlichen EinfLuss zugeschrieben; aber mitUnrecht. Thatsächlich ist die Tonhöhe in dem Sinne unabhängig vonder Weite der Stimmritze, dass ein und derselbe Ton bei weiterer undengerer Stimmritze hervorgebracht werden kann. Man kann das nichtsowohl wahrnehmen bei der Bruststimme, weil die Bruststimme über-haupt nur bei relativ enger Stimmritze hervorgebracht werden kann;sehr deutlich aber bei der Fistelstimme. Wenn diese schwach angegeben

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