Druckschrift 
1 (1875)
Entstehung
Seite
400
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

400

Mechanismus der Hainsecretion.

Von den Fällen, welche bisher als Fälle von Diabetes insipidusangesehen worden sind, würde übrigens vielleicht mancher bei genauererchemischer Untersuchung in anderem Lichte erschienen sein. Man solltesich nie mit dem blos negativen Kosultate der Zuckerprobe begnügen,sondern wenigstens, ehe man von reiner Polyurie spricht, jedesmal dasspeeifische Gewicht des Harns untersuchen, beziehungsweise die Mengevon gelösten Substanzen, die binnen 24 Stunden im Harne aus dem Körperaustritt; denn nur wenn diese letztere nicht vermehrt ist, hat man einHecht von einfacher Polyurie zu sprechen. Ist sie vermehrt, so hat manzu untersuchen, welche Substanz die Vermehrung bedingt.

Von den Fällen von Diabetes insipidus ist keiner dafür beweisend,dass der Zucker keinen Einfiuss auf die Harnmenge habe. Ebenso sindaber auch jene Fälle nicht beweisend, bei welchen pathologischer Zuckerim Urin war, und doch keine grossen Harnmongen ausgeschieden wurden.Erstens sind es Fälle, bei denen die Menge des Zuckers noch verhältniss-mässig nicht gross war. Bei grossen Zuckermengen ist immer zugleichPolyurie vorhanden, bei kleineren Zuckermengen ist dies aber häufignicht der Fall, und man kann dies nur davon herleiten, dass die Störungen,welche durch den vermehrten Zuckergehalt des Blutes im Organismushervorgerufen wurden, noch nicht derart waren, dass sie den Krankenin seiner subjeetiven Empfindung anregton, grössere Mengen von Getränkzu sich zu nehmen. So lange er nicht veranlasst war, grössere Mengenvon Getränk zu sich zu nehmen, konnte er auch nicht auf die Dauergrössere Mengen von Wasser ausscheiden. In solchen Fällen hat derHarn, was die regelmässigen Harubestandtheile anlangt, seine normaleConcentration, aber sein speeifisches Gewicht ist etwas erhöht durch dasMehr von Zucker, welches er enthält. Das speeifische Gewicht erreichthier noch immer nicht diejenige Höhe, welche bei hohen Graden vonDiabetes vorkommt, wo andere Harnbestandtheile wegen ihrer Verthei-luug in einer grossen Flüssigkeitsmenge scheinbar fast vollständig ver-schwunden sind, und fast die ganze Menge der festen Bestandtheile desHarnes aus Zucker besteht.

Nach der Ludwig'scheu Theorie erklären sich auch sonst räthsel-hafte Zufälle im Verlaufe und in der Folge von Albuminurie. In dergrössten Anzahl der Fälle von Albuminurie sieht man keine Urämie auf-treten, sondern es zeigen sich nur Erscheinungen der Hydrärnie und inFolge davon die Wassersucht, unter welcher dann, wenn keine Heilungerfolgt, die Individuen zu Grunde gehen. Ein solcher Process kannMonate, kann Jahre lang dauern, ohne dass sich die Erscheinungen derUrämie zeigen. In andern Fällen dagegen tritt nach kurzer Zeit Urämieein. Man kann sieh diese Erscheinung so erklären, dass man die ersterenFälle ansieht als diejenigen, bei welchen das Nicrengewebe nur partiellergriffen ist, noch eine bedeutende Quantität von gesundem JSTicrengewebevorhanden ist. So lange dieses noch zur Peinigung des Körpers vonHarubcstandtheilcn genügt, können keine urämischen Erscheinungen ein-treten ; wohl aber muss durch den steten Verlust an EiweisskörpernHydrärnie und in Folge davon Wassersucht auftreten. Die letzterenFälle kann man dagegen auffassen als solche, bei denen die Ver-änderungen gleichzeitig in der ganzen Ausdehnung der beiden Nierenplatzgreifen. Wenn das der Fall ist, so muss der Diffiisionsprocess, durch