Die Bewegung des Chylus.
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breite, vielfach mit einander communicirende Bahnen. Darauf beruht derräthsolhafte Anblick, welchen ein in der Resorption befindlicher Barmeines Kaninchens zeigt. Wenn Sic ein Kaninchen öffnen, das fettreichenChylus resorbirt, so entsteht ein lebhafter Motns pcristaltieus, und währenddesselben scheint der Verlanf der Chylusgefassc in der Darmwand fort-während zu wechseln. Das rührt daher, dass, so wie der Darm sichzusammenzieht, der Chylus in diesen grossen Chylusgefässen mit breitemStrombett und zahlreichen Communicationen hin- und hergeschoben wird,so dass an einer Stelle ein Gefäss auftaucht, an einer andern eines ver-schwindet. Bei andern Nagern, Ratten, Mäusen, finden sich Uebergängevon dieser Form zu der Form, wie sie beim Menschen und bei denreissenden Thiercn vorkommt. Auch bei ihnen sind die Chylusgefassc inder Darmwaud, so weit sie mir bekannt sind, klappenlos.
Die Bewegung des Chylus.
Welche sind nun die treibenden Kräfte, durch die die Resorptionbewirkt wird? Wir haben gesehen, dass sich zunächst die Epithelzellenmit Fetttröpfchen anfüllen. Wenn eine nackte freilebende Zelle sich mitFetttröpfchen anfüllt, so wissen wir, wie das geschieht. Wir wissen, dasssie Fortsätze ausstreckt, mit diesen das Fetttröpfchen umfasst und es inihre Substanz hineinzieht. Hier wissen wir aber nicht, wie die Epithel-zelle die Fettkörnchen aufnimmt, ob sie blos durch äusseren Druck indieselbe hineingepresst werden, oder ob die einzelnen Stäbchen desStäbchenorgans auf irgend eine Weise etwas zur Hineinbeförderung derFettkörnchen in das Protoplasma beitragen. Wo soll denn überhaupt einDruck herkommen, der den Strom des Chylus aus der Darmhöhle zu-nächst gegen den inneren Zottenraum hintreibt? Denken wir uns zuerstdie Zotte zusammengezogen, ihre Muskulatur contrahirt und also deninneren Zottenraum entleert, und nun denken wir, dass die Zotte wiedererschlafft und dadurch ausgedehnt wird, dass das Blut in die in einmantelförmiges Netz angeordneten Capillaren der Zotte einströmt. Istder innere Zottenraum leer, so wird der Druck im Innern jetzt geringersein als der Druck von aussen, und es wird also eine Tendenz derFlüssigkeit vorhanden sein, von aussen nach innen zu strömen. Wie ge-sagt, wir wissen nicht, ob dies das einzige Momeut ist, durch welchesein Flüssigkeitsstrom in das Innere der Zotte hineingeführt werden kann.Ist nun der innere Zottenraum einmal gefüllt, so zieht sich die Zottewieder zusammen und treibt dadurch natürlich ihren Inhalt gegen dieAmpulle und gegen die Chylusgefässe hin aus. Wenn sich das submueöseMuskellager zusammenzieht, so wird dadurch der Druck nach innen vomsubmueösen Muskollager grösser als der Druck nach aussen von demselbenist. Man muss immer festhalten, dass in dem vielfach gewundenen undgeknickten Darmrohr der Chymus nicht ohne Widerstand fortbewegt wirdund gelegentlich auf Hindernisse stösst, wenn auch nur auf solche, welcheer überwindet. Der Chylus, der einmal in der Schleimhaut ist, wirddurch die offenen Wege, die ihm zu Gebote stehen, leicht in die Chylus-gefässe des submueösen Bindegewebes abfliessen. Hier steht er aber,wenn sich die Muskelhaut des Darmes zusammenzieht, noch wiederumunter einem grösseren Druck als im Mesenterium, er wird also wieder
Brücke. Vorlesungen I. 2. Aufl. 23