Vs>>
Frauenmilch und deren Surrogate.
261
Milchsäure iu milchsauren Kalk umzuwandeln und der Milch alkalischeReaction zu geben.
Man hat der Milch auch in den späteren Monaten der Säuglings-ornährung Amylacea zugesetzt. Es geschieht dies einmal in Gestalt derverderblichen Breifütterung, welche bei uns noch so vielfaltig auf demLande gehandhabt wird, andererseits in verfeinerter Weise, indem maneine Stärke, die einen besonderen Ruf der leichten Verdaulichkeit hat,' die Pfcilwurzelstärkc, das sogenannte Arrow-root, das aus der Wurzelvon Maranta arundiuacea gewonnen wird, der Milch zusetzt. Es darfhiebei nie vergessen werden, dass die wesentlichste Nährsubstanz in derMilch, dass die Eiweisskö'rper nicht vermehrt werden, und dass es nach-theilig ist für ein Kind, wenn man ihm eine verhältnissmässig zu grosseMenge von Kohlehydraten zuführt und sucht, ihm dabei an der Masseder Eiweisskö'rper, die ihm zugeführt werden sollen, etwas abzubrechen.Der bekannte Kinderarzt Routh in London sagt in Bezug hierauf, dasseine Anzahl Londoner Kinder nur durch die Unbotmässigkeit der Wär-terinnen gerettet werden, indem diese sie nebenbei aus ihrer Schüsselessen lassen, während sie sonst bei Arrow-root verhungern würden.
Eine andere Art des Zusatzes von Kohlehydraten hat Lieb ig an-gegeben. Er benutzt Weizenmehl, das insofern einen Vorzug vor demArrow-root hat, als es nicht unbeträchtliche Mengen (bei uns nachHorsford und Krocker 157 Gewiehtstheile in tausend) von Eiweiss-körpern enthält. Die Stärke im Weizenmehl sucht er dadurch leichterverdaulich zu machen, dass er sie gewissermassen einen Theil des Ver-dauungsprocesses schon vorher durchmachen lässt, dass er sie durchMalz in Achroodextrin und Zucker umwandelt. Er gibt dazu zweierleiRccepte. Erstens: 1 Loth Weizenmehl wird mit 10 Loth Milch gekocht,dazu wird dann, wenn die Masse bis 70° abgekühlt ist, 1 Loth Malz-mehl mit 2 Loth Wasser und 30 Tropfen einer Lösung gesetzt, welche2 Theile doppeltkohlensaures Natron in 11 Theilen Wasser nthälte;hierauf wird das Ganze bei 70° digerirt. Das zweite Recept, das imWesentlichen dasselbe Resultat gibt, ist folgendes: Es werden 1 LothWeizenmehl, 1 Loth Malzmehl, 7{ Gran doppeltkohlensaures Natron,2 Loth Wasser und 10 Loth Milch zusammengemischt und vorsichtigunter Umrühren und Schütteln über der Spirituslampe gewärmt. Manlässt das Gemisch aber nicht zum Aufkochen kommen, sondern erwärmtes nur bis auf etwa 70°. Man braucht dazu kein Thermometer, manrichtet sich nach der Veränderung in der Consistenz. Hat man nämlicheine Weile erwärmt, so wird die Masse dicklich, indem die Stärke quilltund sich in Kleister umwandelt. Wenn man dann unter stetem Rührenund Umschüttcln weiter erwärmt, so wird sie wieder dünn, indem derKleister in Dextrin und in Zucker übergeht. Endlich, wenn die Massewieder dünn und süssschmeckend geworden ist, wird sie aufgekocht, umdie Diastasc zu zerstören. Die Suppe wird, mag sie nach dem einenoder andern Rccepte bereitet sein, je nach dem Alter des Kindes mitverschiedenen Mengen Wasser verdünnt, und durch ein Tuch oder einfeines Haarsieb geseiht. Es sind jetzt schon zahlreiche Versuche mitdieser sogenannten Liebig' sehen Suppe angestellt worden, und wenn auchein Theil von ihnen weniger befriedigend ausgefallen ist, so muss mandoch sagen, dass sie in andern Fällen wieder gute Erfolge gehabt hat, und