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1 (1875)
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Die Kohlehydrate.

Mg. 20.

Ich muss auf etwas zurückkommen, was wir bereits in der Ein-leitung (8. 30 und 31) beschrieben haben, nämlich darauf, dass einerseitsein geradlinig polarisirter Strahl zerlegt werden kann in zwei circularpolarisirte Strahlen mit entgegengesetzter Bewegungsrichtung, und dassalso andererseits die beiden circular polarisirten Strahlen auch wiederzu einem geradlinig polarisirten Strahle zusammengesetzt werden können.Jetzt denken Sie sich, Sie hätten zwei circular polarisirte Strahlen Fig. 29

mit entgegengesetzter Bewegungsrichtung: siesollen in solchen Phasen gegen einander stehen,dass in a und in b die Impulse entgegengesetztgegen einander gerichtet sind, und dass in cund in d die Impulse gleichgerichtet sind. Solange nun diese beiden Strahlen sich in einerFlüssigkeit beide mit gleicher Geschwindigkeitfortpflanzen, werden die Impulse nach jedemUmlaiife immer wieder so zusammenkommen,dass sie in a und in b entgegengesetzt und in<; und d gleich gerichtet sind. "Wenn ich des-halb diese Strahlen irgendwo in einem Nicoi-schen Prisma auffange, so dass sie wieder ineine Schwingungsebene eintreten müssen, so werde ich die volle Licht-stärke immer dann haben, wenn die Schwingungsebene in a b liegt, undich werde die Lichtstärke Null haben, wenn die Schwingungsebene inder Kichtuug c d liegt. Nun denken Sie sich aber, dass der eine Strahldem andern vorausliefe, dass er sich schneller fortpflanzte als der andere,so wird nach einer grösseren oder geringeren Anzahl von Umläufen derPunkt a, in dem die Impulse gerade entgegengesetzt waren, nach a,gerückt, nach weiteren Umläufen wird er nach a n verrückt sein, undso wird er bei jedem neuen Umlaufe sich immer weiter verschieben, undso wird die Polarisationsebene langsam in eine windschiefe Ebene ge-dreht. Ich muss also auch jetzt, wenn ich absolute Dunkelheit habenwill, das Nicol'sche Prisma in eine neue Lage bringen, und die Drehungwird um so grösser sein, je länger das Bohr ist, je grösser also dieAnzahl von Umgängen ist, welche die beiden Strahlen gemacht haben.Das Entgegengesetzte findet natürlich statt, wenn der andere Strahl der-jenige ist, welcher sich schneller fortpflanzt, dann wird nicht mehr, wieich es hier gezeichnet habe, eine Drehung der Polarisationsebenc nachrechts stattfinden, sondern es wird umgekehrt eine Drehung der Polari-sationsebene nach links stattfinden.

Eine analoge Veränderung der Stärke, wie wir sie durch Kochenmit verdünnter Schwefelsäure hervorgebracht haben, lässt sich auch nochauf gauz anderem Wege hervorbringen. In den Knospen und in keimendenSamen entwickelt sich eine ihrem Wesen nach noch wenig bekannteSubstanz, welche man mit dem Namen der Diastasc belegt, und unterderen Einfluss sich die Stärke, welche in die Samen eingelagert ist, inDextrin und Zucker umwandelt. Dieselbe Substanz benützen wir, um zutechnischen Zwecken Stärke in Dextrin und Zucker umzuwandeln. Wirlassen Gerste keimen und trocknen, wir nennen dieses Product Malz undverwenden es zur Umwandlung von Stärke in Dextrin und Zucker, indemwir das Malz, wie es in der Bierbrauerei geschieht, direct benützen, oder,