'210 Die Milz.
hohem Oracle erschwert. Sie werden das erwarten müssen, wenn Siebedenken, dass das Blnt nicht nur durch die gewöhnlichen Capillaren,sondern auch durch die Blutbahnen des intermediären Gefässsystemshindurchgehen muss, und diese Blutbahncn nun alle in der Weise zu-sammengedrückt sind, dass die Milz erblasst. Wegen der Anastomosennun, welche die A. lienalis mit den übrigen Aestcn der Coeliaca hat,die direct und indireet zum Magen hingehen, muss der Contractionszu-stand der Milz einen wesentlichen EinÜuss auf die Circulationsverhält-nisse des Magens ausüben.
Zweitens zeigt es sich, dass in der V. lienalis stets eine vielgrössere Menge von weissen Blutkörperchen enthalten ist, als in derA. lienalis. Diese farblosen Blutkörperchen müssen also in der Milz ge-bildet worden sein, und die Milz spielt somit auch die Rolle einerperipherischen, einer terminalen Lymphdrüse, indem in derselben Lymph-körperchen gebildet werden, die nun in den Blutstrom bineingelangeu.Auf welche Weise sie in den Blutstrom gelangen, darüber fehlt es andirecten Beobachtungen, aber um den Ort ihrer Entwickclung könnenwir kaum in Verlegenheit sein. Wenn wir das Gewebe der Milz an-sehen, so finden wir sowohl in den Malpighi'schen Körpcrehen als imGewebe der Milzpulpe überall Zellen, die Lymphkörperchen, farblosenBlutkörperchen in ihren verschiedenen Entwickclungsstadien ganz ähn-lich sind, und wir können nur sagen, dass die reifen Lymphkörperchenzunächst aus demjenigen Thcile kommen müssen, in dem die ammeisten entwickelten Zellen vorhanden sind, und dies ist die Milzpulpa.Nun sind zwei Möglichkeiten vorhanden: diese Lymphkörperchen könntenmit der Lymphe der Milz zunächst in grösseren, innerhalb der Milzverlaufenden Stämmen gesammelt worden, und diese könnten in dieBlutgefässe, in die Milzvenen einmünden und so die Lymphkörperchenin dieselben hineinbringen. Dergleichen Stämme kennt man aber bisjetzt nicht. Wohl aber sieht man in den Blutbahnen dos intermediärenGefässsystems das Blut überall direct Zellen bespülen, welche ausgebil-deten Lymphkörperchen bereits vollkommen ähnlich sind, uud es wirddeshalb die zweite Möglichkeit ziemlich wahrscheinlich, die, dass in ähn-licher Weise, wie in den Lymphdrüsen die reifen Lymphkörperchen vonden Zellenbalkcn abfallen und in den Lymphstrom gelangen, hier vonden Wandungen des intermediären Gefässsystems gleichfalls reife ]ym-phoidc Zellen abfallen und in den Blutstrom hineingelangen, und dassdiese es sind, welche von der Vena lienalis aus der Milz herausgebrachtwerden.
Vor einer langen Beiho von Jahren beschrieben Köllikcr undEcker blutkörperchcnhaltige Zellen in der Milz, die auch später vonAndern wiedergefunden wurden. Damals glaubte man noch, dass jedeZelle mit einer Membran umgeben sein müsse. Man war deshalb auf diehöchst unwahrscheinliche Voraussetzung hingedrängt, dass sich die Zellenum die Blutkörperchen herum bildeten, ein Vorgang für den sich keineAnalogie vorfand, und zu dessen Annahme sich ein Theil der Physiologenmit Becht nicht entschliesscn konnte. Diese Schwierigkeit fällt nun weg,indem wir wissen, dass die nackten Zellen Eetttröpfchcn, Karminkörn-chen, Zinnoberkörnchen, also vielleicht auch rothe Blutkörperchen in ihrQnineres aufnehmen, in ähnlicher Weise, wie eine Amöbe sich sogar ein