Druckschrift 
1 (1875)
Entstehung
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176
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Die Herztöne.

Charles Williams das sogenannte Muskolgeräusch in Ansprach genommen.Wenn man seinen M. bioeps contfahirt und auf denselben einen kleinenTrichter setzt, der mit einem Kautschukrohre verbunden ist, dessenanderes Ende man ins Ohr bringt, so hört man ein dumpfes, summendesGeräusch. Es entsteht durch das Vibriren des Muskels selbst und derTheile, mit welchen er verbunden ist. Man kann in diesem Geräuscheeine bestimmte Tonhöhe unterscheiden, und diese hängt, wie Helmholtzgezeigt hat, ab von der Zahl der Einzelcontractionen, welche derMuskel in der Zeiteinheit macht, um sich eben im tetanischen, im con-(rahirten Zustande zu erhalten. Die dauernde Contraction der Skelet-muskeln ist nämlich kein wirklich continuirlicher Act, sie kommt dadurchzu Stande, dass der Muskel sich vielmal und so rasch hintereinanderzusammenzuziehen sucht, dass er keine Zeit hat, dazwischen zu erschlaffen.Es wird also in einem solchen Muskel immer von neuem und von neuemSpannung erzeugt und dadurch geräth er in Vibration. Dieses Muskel-geräusch hat nun, wie gesagt, Charles Williams als einen wesentlichenBestandtheil des ersten Herztones in Anspruch genommen. Es lässt sichdagegen a priori anführen, dass von allen Muskeln des menschlichenKörpers gewiss das Herz derjenige ist, welcher sich unter den ungünstigstenBedingungen für die Hervorbringung eines solchen Muskelgeräuschesbefindet. Erstens hat das Herz keine Ursprungs- und keine Anheftungs-sehnen, wie die Skeletmuskeln, und zweitens ist das Herz nicht mit festenTheilen, mit Knochen verbunden, die es einander zu nähern sucht,sondern es zieht sich nur um Blut zusammen. Ja noch mehr: nach Allem,was wir bis jetzt über die Herzcontraction wissen, können wir dieselbenur als einen continuhiiehen Act ansehen, nicht, wie die dauernde Con-traction der Skeletmuskeln, als einen Act, der aus einer Reihe von ein-zelnen Impulsen zusammengesetzt ist. A priori ist es also im hohenGrade unwahrscheinlich, dass das Muskelgeräusch eine wesentliche Rollebei der Erzeugung des ersten Herztones spiele. Nichtsdestoweniger habenLudwig und Dogiel gefunden, dass ein relativ leeres Herz, ein Herz,das nur noch wenig Blut enthält, viel zu wenig Blut, als dass dieAtrioventricularklappen noch durch dasselbe in der gehörigen Weisegespannt würden, noch einen mit der Systole zusammenfallenden Ton gibt.Es kann dabei nicht die Rede sein von einer Täuschung, die von einemAnschlagen oder Reiben des Stethoskops an der Ohrmuschel herrührt, dennes war als Schaltstück zwischen dem Ohr und der stethoskopischen Vorrich-tung, welche sie anwendeten, immer ein Kautschukschlauch angebracht, undsie haben auch das Material der stethoskopischen Vorrichtung mehrmalsgeändert, um nicht durch einen Ton getäuscht zu werden, den das sichcontrahirendc Herz an der stethoskopischen Vorrichtung hervorbringt.

Als drittes Moment, welches zur Erzeugung des ersten Herztonesmitwirken soll, ist auch das Anschlagen dos Herzens an die Brustwandangeführt worden. Wir haben aber bereits gesehen, dass das Herz nichtwie ein Hammer an die Brustwand anschlägt, und dass also von einemTone, der durch dieses Anschlagen erzeugt würde, nicht die Rede seinkann. Wohl aber haben wir gesehen, dass das Herz die Brustwand er-schüttert, und da in ihm selbst akustische Impulse in dem-Momente er-zeugt werden, wo es sich fest an die Brustwand anlegt, so müssen auchdiese akustischen Impulse als solche an die Brustwand direct übertragen