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1 (1875)
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142
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Die Capilluren.

I

andere Ansicht gebildet. Nie stellen sich's jetzt im Allgemeinen so vor,als ob von den Arterien und auch von den Venen, wenn man sich denCapillaren nähert, nach und nach die äusseren Schichten schwänden undzuletzt nur das Endothclrohr übrig bliebe, welches in das Bindegewebeeingelagert, oder nach Anderen noch von einem dünnen Häutchen über-zogen ist. Die Ursache dieser Wandlung in den Ansichten ist folgende.Man fing an, die Gefässe mit einer sehr verdünnten Lösung (f pCt.)von salpetersaurem Silberoxyd auszuspritzen und fand dann, dass, wennman hinterher die Epithelien mikroskopisch uniersuchte, sich nun auchda, wo mau früher nichts als Epithelialmembranen gesehen hatte, wo mandie Zellengrenzen nicht hatte unterscheiden können, braune Linien zeigten,die in verschiedener Gestalt und mit mehr oder weniger RcgelmässigkeitFelder abgrenzten, in denen häufig noch in der Mitte Kerne zu erkennenwaren: Man sagte sich deshalb, wir haben hier die Zellengrenzen derEpithelien dargestellt. Wenn man nun die Capillaren in derselben Weiseinjicirt und untersucht, so findet man auch auf ihnen dergleichen Linien,und man findet auch, wenn nicht immer, doch häufig, in den Feldern,welche hier entstehen, Zellenkerne. Man sagte deshalb: die Capillarenhaben auch ein Epithelium oder, wie Einige wollten, sie bestehen auseinem Epithelialrohr, welches man sich von den Gefässen fortgesetztdenken kann: denn die Zeichnungen, die sich hier in den letzten Arterienund Venen finden, gehen unmittelbar in die Zeichnungen über, welchesich in den Capillargefässon finden. Es muss hierzu Folgendos bemerktwerden. Es steht zunächst fest, dass die Capillaren bei ihrer Bildungnicht etwa aus solchen Zellen zusammenwachsen; darüber sind Alle einig,die den Gegenstand selbst untersucht haben. Sie alle sind darin einig, dassdie Capillaren sich dadurch vermehren, dass irgendwo aus einem fertigenCapillargefässc, aus dem Protoplasma, das noch einen wesentlichenBestandthcil der Wand ausmacht, ein spitzer Fortsatz herauswächst,oder richtiger, da ja das Protoplasma, solange es noch contractu ist,Fortsätze ausschieben kann, sich herausschiebt, dass sich von einer andernSeite, von einem andern Capillargefässe aus ein Fortsatz entgegenschiebt,diese mit ihren Spitzen sich erreichen, und auf diese Weise eine Brückeentsteht, welche dann nach und nach hohl wird. Das ursprünglicheCapillargefäss ist ein einfacher hohlgcwordoner Protoplasmastrang. Wennman also auch annehmen will, dass alle bisher an den Capillaren dar-gestellten Silberlinien wirklich Zellgrenzen sind, so sind es wenigstensnicht die Grenzen von Zellen, aus denen die Capillargefässe entstandensind, sondern es sind die Grenzen von Zellarcalen, in welche die Capillar-wand, bei weiterem Wachsthum nach und nach zerfallen ist, oder Grenzenvon Zellen, die sich in das Capillargefäss, nachdem es bereits als Röhreexistirtc, hineingebildet haben. Ferner hat Federn nachgewiesen, dassdie Silbcrlinicn nicht der Ausdruck von platten, bandartigen, die Zellenvon einander trennenden Schichten, sondern der Ausdruck von drehrunden,von draht- oder fadenförmigen Gebilden sind. Man muss also entwederannehmen, dass die vermeintliche sich durch Silber färbende Kittsubstanüin drehrunden Strängen zwischen den Zellen abgelagert sei, oder dassdie ganzen Silberbilder von einem mit Flüssigkeit gefüllten Canalsystemeherrühren, dessen drehrunde Binnsale zwischen den übrigens hart aneinander stossenden Zellen verlaufen.