Druckschrift 
1 (1875)
Entstehung
Seite
140
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

140

Bau der Schlagadern.

Reihe von continuirlichen Uebergängen, dass diese Zellen immer längerund länger werden und nun endlich ganz das Bild der glatten Muskel-fasern, wie man sie in andern Organen findet, darstellen, mit ihremlänglichen, fast bandförmigen, an den Enden allmälig verjüngten undzugespitzten Zellenleibe und ihrem nach der Längsaxe der Zelle starkverlängerten Kerne. Auch durch mechanische und clectrische Reizungder Arterien kann man sich überzeugen, dass man es hier wirklich mitcontractilen Elementen zu thun hat, dass sich die mittlere Arterienhautzusammenzieht. Die Schlagadern vom mittleren Durchmesser enthaltenMuskelfasern in relativ grösserer Menge als die Aorta und die grossenAeste, die unmittelbar von ihr abgehen, und diese Muskelfasern könnenbis zu den letzten Aesten der Arterien verfolgt werden. Bei mikrosko-pischen Arterien, deren Präparation mit dem Messer nicht möglich ist,erkennt man in den mikroskopischen Bildern an den quergestellten Ker-nen noch den Verlauf der einzelnen Muskelfasern der Ringfaserhaut.

Die elastischen Elemente sind in starken Fasernetzen zwischen deneinzelnen Lagen von Ringmuskelfasorn eingeschaltet, und im Verlaufe derZeit wandeln sich diese elastischen Fasernetze zum Theil in Platten,in Lamellen um, welche an ihrer Oberfläche noch die Figuren derelastischen Fasernetze zeigen, ausserdem aber von eigenthümlichen, meistelliptisch gestalteten Löchern durchbrochen sind, deren Ursprung mannicht sicher kennt, welche aber diesen Lamellen den Namen der ge-fensterten Membranen gegeben haben. Diese Structur also, eine steteAbwechslung von Ringmuskelfasern und von elastischen Platten undFasernetzen, setzt sich durch die ganze Media fort, und aus dieser bestehtdie Hauptmasse der ganzen Arterienwand im engeren Sinne des Wortes.Wenn man sie nach und nach heruntergezupft hat, indem man fort-während von innen nach aussen fortschreitet, so bemerkt man, dass manbeim weiteren Zupfen nicht mehr der Quere nach reissen kann, sonderndass die Elemente nach allen verschiedenen Richtungen durcheinander-gefilzt sind, und wenn man jetzt wieder eine Probe unter das Mikroskopbringt, so findet man, dass die Muskelfasern verschwunden sind, dassman es nur noch mit elastischen Fasern zu thun hat, welchen wenigBindegewebe beigemengt ist. Dies ist die Schicht, welche den Uebergangbildet von der mittleren Arterienhaut zu der Tunica adventitia, und dadiese Schicht sich durch ihren sehr grossen Reichthum an elastischenFasern auszeichnet, so dass diese hier in der That die Hauptmassebilden und nur wenig Bindegewebe beigemengt ist, so hat Henle dieseSchicht mit dem Namen der Tunica elastica propria bezeichnet. Wennman jetzt noch weiter nach aussen geht, so mengt sich den elasti-schen Fasern immer mehr Bindegewebe bei, so dass nun bald dasBindegewebe die Hauptmasse ausmacht und nur noch relativ wenigelastische Fasern demselben beigemengt sind. Diese Schicht, die vonungleicher Dicke und häufig nach aussen durch keine bestimmte Grenzeabgegrenzt ist, nennt man Tunica adventitia oder Bindegewebsscheide derArterie.

Wenn man den Schlagadern gegen ihre Verzweigungen hin folgt,so bleibt der Bau im Wesentlichen derselbe, nur dass zuletzt an denkleinen mikroskopischen Arterien die verschiedenen Schichten nicht mehrso genau unterschieden werden können, wie dies bei den grösseren