Druckschrift 
1 (1875)
Entstehung
Seite
76
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

76

Die BlutkSrperchen.

sei, wo nicht, von welchem Thierc es herrühren könne. Wenn das frischeBlut als solches vorliegt, so bietet die Untersuchung keine Schwierig-keiten. Das ist aber in der Kegel nicht der Fall. In der Bogel liegt anseingetrocknetes Blut vor, und es handelt sich darum, wie man dieses Blutso aufweichen soll, dass man die Blutkörperchen noch erkennen kann.Wenn man es in Wasser aufweicht, so werden sie vollständig zerstört.Man hat andere Flüssigkeiten vorgeschlagen, die, wenn man das Auf-weichen unter dem Mikroskope vornimmt, wenn man z. B, einen Faden,an dem die Blutkörperchen hängen, mit der Flüssigkeit unter dem Mikro-skop in Berührung bringt, bessere Dienste leisten als das Wasser. Dazusind vorgeschlagen worden eine concontrirte Lösung von arseniger Säure,dann Schwefelsäure, die bis zu einem gewissen Grade verdünnt wordenist. Das beste von diesen Hilfsmitteln hat aber Virehow angegeben. Esist eine concentrirte Lösung von Aetzkali. Das Aotzkali zerstört zwar dieBlutkörperchen, aber indem sich erst ein Kalialbuminat bildet, das wirspäter kennen lernen werden, quellen die Butkörperchen in der Aetz-kalilösung auf, ohne sich darin aufzulösen, sie bekommen ihre Farbe wie-der und nehmen, wenn auch nicht ganz, doch wenigstens ungefähr undin einzelnen Exemplaren ihre frühere Gestalt an. Auf diese Weise kannman unterscheiden, ob Blutkörperchen überhaupt vorhanden sind, obscheibenförmige kernlose oder elliptische kernlose, oder ob elliptische kern-haltige Blutkörperchen vorhanden sind. Auch über die Grösse der Blut-körperchen bekommt man zwar keinen genauen, aber doch einen unge-fähren Aufschluss. Wenn es sich indessen darum handelt zu entscheiden,ob das Blutkörperchen vom Menschen herrührt oder nicht, dann brauchenwir über die Grösse desselben einen genaueren Aufschluss, den wir nurdurch Messen erlangen können. Die grössten Blutkörperchen haben dienackten Amphibien, und unter ihnen nach Riddel Amphiuma tridac-tylum. Siren lacertina hat Blutkörperchen von j- Mm. Länge und~j Mm. Breite. Die des Proteus anguineus, des Molchs der AdelsbergerGrotte, haben ~ Mm. Länge und ~ Mm. Breite. Grosse Blutkörperchenhaben auch Cryptobranchus Japonicus (— Mm. Länge und ~ Mm.Breite), und das Axolotl (~ Mm. Länge und / 5 - Mm. Breite). Mi IneEdwards hat in seinen Leqons sur la physiologie et l'anatomie com-paree alle Maasse von Blutkörpern verschiedener Thiere, so weit siebekannt sind, zusammengestellt. Die Blutkörper unseres Wasserfrosches,Rana esculenta, haben 7 '- Mm. Länge und -: 1 - Mm. Breite. Aehnlich grosse

4 5 O 6 6 O

Blutkörper wie die nackten Amphibien, haben die Haie und die Rochen,dann folgen die beschuppten Amphibien, dann die Knochenfische und die Vögel.Bei den Säugethieren sind die Blutkörperchen viel kleiner. Die des Elephan-ten haben einen Durchmesser von ^ Mm., die von Balaena boops einenDurohmesser von j— Mm. Lhre Grösse steht im Allgemeinen in keinemZusammenhange mit der Grösse des Thieres. Nur innerhalb der einzelnenGruppen steht die Grösse der Blutkörperchen in einem gewissen Zusammen-hange mit der Grösse der einzelnen Genera und Species. So haben z. B. dieWiederkäuer im Allgemeinen kleine Blutkörperchen, so dass z. B. dieBlutkörperehen eines Ochsen kleiner sind, als die eines Hundes; aberunter den Wiederkäuern hat der kleinste Wiederkäuer, Moschus Javanicus,die kleinsten Blutkörperchen: von ihnen würden 483, der Reihe nachnebeneinandergelegt, erst einen Millimeter ausmachen.