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1 (1875)
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2, Die Organismen.

Auch dieses Kriterium ist nicht haltbar, indem man Organismenkennen gelernt hat, deren Thätigkeit sistirt werden kann, ohne dass siedeswegen zu Grunde gehen. Kleine Thicrchcn, Rotatorien und Tardigra-den, können vollständig ausgetrocknet werden, können als leblose Stäubchenviel länger als an und für sich ihre Lebensdauer ist, aufbewahrt werdenund, wenn sie nachher wieder befeuchtet werden, erwachen sie zu neuerLebcnsthätigkeit und schwimmen wieder ganz munter im Wasser umher.

Ebensowenig kann man das Fortpflanzungsvermögen als ein Krite-rium ansehen. Es ist zwar richtig, dass die Organismen sich fortpflanzen,und dass die Mechanismen sich niemals fortpflanzen, aber von einemKriterium, welches die beiden Abtheilungen von einander trennt, verlan-gen wir, dass es auf alle Organismen und auf jeden einzelnen Organis-mus anwendbar sei, und das ist mit der Fortpflanzungsfähigkeit nicht derFall. Ein Organismus kann seine Fortpfianzungsfäkigkcit verlieren, ohnedass er darum aufhört ein Organismus, zu sein. Ja, nicht allein einzelneIndividuen, sondern ganze bestimmte Reihen von Individuen werden niemalsfortpflauzungsfähig, wie dies bekannt ist von den verkrüppelten Weibchen,den sogenannten Arbeiterinnen, bei den Bienen, von den Soldaten beiden Ameisen u. s. w.

Violleicht mit mehr Glück hat man als Kriterium aufzustellenversucht, dass jeder Organismus von Seinesgleichen erzeugt, sein, oderdoch von Seinesgleichen abstammen muss. Das ist ein Kriterium, dasallerdings auf alle jetzt oxistirenden Organismen passt. Das ist aber nichtgenug. 'Das Kriterium, welches wir suchen, soll auf alle Organismenpassen, nicht nur auf diejenigen, die jetzt existiren, sondern auch aufalle, die existiren werden, und auf alle, die existirt haben. Auf dieseletzteren aber können wir dieses Kriterium nicht anwenden, denn wirwürden dadurch zu dem Schlüsse gelangen, dass alle Arten von Organis-men, die jetzt existiren, auch von Ewigkeit her existirt hätten, eineAnnahme, welche aller Erfahrung widerspricht, und zu welcher keineder Schöpfungstheorien von den ältesten bis auf die neuesten gelangt ist.

Man sieht also, dass es nicht so leicht ist, die Organismen principiellvon den Mechanismen zu trennen, wie man auf den ersten Anblick ge-glaubt hat. Nichtsdestoweniger existirt ein Unterschied, durch den sievollkommen von einander geschieden sind. Die Organismen haben einVermögen, welches den Mechanismen gänzlich abgeht, sie haben das Ver-mögen, fremde Substanzen in sich aufzunehmen und in ihre eigeneSubstanz, umzuwandeln und auf Kosten dieser so erworbenen Substanzenzuzunehmen, zu wachsen. Dieses Vermögen nennt man das Assimilations-vermögen. Es kommt jedem Organismus zu, solange er eben ein Organis-mus ist, und es muss jedem Organismus zukommen, weil darauf dasganze organische Leben beruht. Der Wcrth dieses Kriteriums wird sichauch noch besonders zeigen, wenn wir die Thiere und Pflanzen mit ein-ander vergleichen, und die Thiere und Pflanzen von einander abzugrenzensuchen. Es wird sich dann zeigen, dass in diesen beiden grossen Ab-theilungen der Assimilationsprocess in wesentlich verschiedener Weise vonstatten geht, und dies eben wiederum das einzige Kriterium abgibt, umThiere und Pflanzen von einander zu trennen.

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