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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Entwickelung der Haare

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zelscheiden des Haares gibt es zwei, eine äussere und eine innere. Dieäussere (Figur 101 6) Wurzelscheide ist eine directe Fortsetzung desRete Malpigkii und bestellt aus denselben succulenten Zellen wie dieses.Die Entwicklung und die Bedeutung der inneren Wurzelscbeide werdenwir später noch kennen lernen. Ich will jetzt nur darauf aufmerksammachen, dass die innere Wurzelscheide den Raum zwischen der äusserenWurzelscheide und dem Haare ausfüllt, und dass sie aus zwei Schichtenbesteht, einer äusseren Schicht (Figur 101 c) von länglichen, durch-sichtigen, kernlosen Zellen, welche gewöhnlich so an einandergcfügtsind, dass sie Spalträume zwischen sich lassen: dies ist die Henle'scheSchicht. Darauf folgt nach innen eine Schicht von dickeren, kern-haltigen, aber gleichfalls glasartig durchsichtigen Zellen: das ist dieHuxley'sche Schicht (Figur 101 d). Im oberen Theile der inneren Wurzel-scheide sind nicht selten alle Kerne geschwunden und die Zellengrenzenunsichtbar geworden, so dass hier die innere Wurzelscheide das Bildeiner Glashaut darbietet.

Nach unten ist das Haar, wie gesagt, auf die Papilla pili aufge-setzt, zu welcher ernährende Blutgefässe hingehen. In ihrem oberfläch-lichen Theile besteht dieselbe ganz aus polyedrischen Zellen, und aufdiesen keimen nun die jungen Zellen, welche sich in die Substanz desHaares umwandeln. Die äussersten verwandeln sich in die Cuticula desHaares, dann die Hauptmasse in die Substantia propria desselben: zu-nächst der Axe aber befindet sich häufig eine Quantität von Zellen,welche nicht spindelförmig auswachsen, sondern unregelmässig gestaltetbleiben, gewissermassen verkümmern, und in die Axe des Haares beimWachsthum als sogenannte Marksubstanz mit heraufgeschoben werden.

Die verschiedenen Haare unterscheiden sich von einander durchihre Farbe und durch die Gestalt des Querschnittes. Bei den dunkel-pigmentirten Haaren, bei den schwarzen und braunen, ist das ganzeHaar gefärbt. Im mikroskopischen Bilde erscheint die Färbung in derMarksubstauz des Haares am dunkelsten, was aber zum Theil, vielleichtgänzlich, von der Aggregation der Zellen herrührt, indem die Substantiapropria fester gefügt ist und deshalb das Licht gleichmässiger durchläßtals die Marksubstanz mit den unregelmässigen Zellen und dem zumTheil mit Luft gefüllten Räumen zwischen ihnen. Im Alter ergrauenbekanntlich die Haare. Dieses Ergrauen hat in zweierlei Dingen seinenGrund. Zunächst in dem Eintritte von Luft. Wenn die Marksubstanzund die Zellen der Substantia propria durch Eintrocknen an Volum ver-lieren, so dringt von aussen her durch die Spalträume, die sich immerin der Substantia propria finden, nach und nach immer mehr Luft indas Haar ein, und wegen der starken Reflexion, welche das Licht er-leidet, wenn es aus der stark lichtbrechenden Hornsubstanz in die schwachlichtbrechende Luft übergehen soll, erhält das Haar einen silbergrauenSchimmer. Das völlige Weisswerden des Haares beruht dann auch aufdem Schwunde des Pigments. Bei dem eigenthümlichen Silberglanzedes Haares der Greise spielt aber immer die Luft, die in das Haareingetreten ist, eine wesentliche Rolle. Denn selbst das Haar der Albinos,der pigmentlosen Individuen, ist, so lange dieselben jung sind, nicht sosilberglänzend wie das Haar eines Greises, der in seiner Jugend ganzschwarzes Haar gehabt hat, indem zwar das Haar des Albinos nicht

Brücke. Vorlesungen. II. 3. Aufl. 22

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