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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Entwickelung des Auges.

Es entwickeln sich zuerst die Corpora quadrigemina (Figur 91 mund Figur 92 m) in der Weise, dass sie den übrigen Gchirntheilen voraus-eilen und die Hauptmasse des ganzen Gehirns ausmachen. Erst späterkommen ihnen das kleine Gehirn und das grosse Gehirn in der Ent-wickclung nach, bis endlich die Hemisphären des grossen Gehirns immermehr das Ucbcrgewicht erlangen und beim Menschen alles Ucbrige, dieCorpora quadrigemina und selbst das kleine Gehirn, vollständig über-wachsen. Es macht also das Gehirn während der Entwickelung einenähnlichen Gang durch, wie sich derselbe zeigt, wenn wir den Bau des

Gehirns der Wirbelthierc von

Fig. 91.

Fig. 02.

Fig. 91 und Fig. 92 nach Kcissner.

den niederen zu den höherenverfolgen. Wie es ja überhaupteine allgemeine Erfahrung ist,dass die niederen Wirbelthiercdiejenigen sind, die in ihrerOrganisation dem embryonalenZustande am nächsten stehen,während die höchsten Wirbel-thierc die sind, die sich amweitesten vom embryonalen Zu-stande entfernt haben. Man hatdeshalb früher wohl gesagt: Diehöheren Wirbelthierc durchlaufenim embryonalen Leben alle Stadien der Wirbclthicrrcihe, sie sind erstden Fischen, dann den Amphibien, dann den Vögeln und endlich denSäugothicren ähnlich. So ausgedrückt, ist diese Angabc unrichtig; richtigist es aber, dass die Embryonen aller Wirbelthierc sich untereinanderviel ähnlicher sehen als die entwickelten Wirbelthierc selbst, und dasssie sich im Laufe der Entwickelung nach und nach in der Weise ver-ändern, dass sie einander immer unähnlicher werden, und sich dabeidie höher stehenden immer weiter als die niedrig stehenden vom embryo-nalen Zustande entfernen.

Von den übrigen Theilcn des Nervensystems werden zuerst dieGanglien sichtbar, und zwar zuerst das Ganglion semilunarc Gasscri unddie Wurzclgangiien der Spinalnerven. Hensen und Schenk sahen diesein den frühesten Stadien, als integrirenden Theil der Uranlage des Central-nervensystems, buckclförmig hervorragend. Später, als sie schon zwischenden Wirbeln gefunden wurden, hatten sie sich davon getrennt und warennur noch durch einen Strang, die spätere Wurzel, mit dem Rückenmarkeverbunden. Nach Schenk stammen auch sämmtliche Ganglien des Sym-pathicus von der ursprünglichen Anlage des Cenfralncrvensystcms ab.

Entwickelung des Auges.

Im nahen Zusammenhange mit der Entwickelung des Nervensystemssteht die Entwickelung der höheren Sinnesorgane. Aus der ersten Gehirn-zelle bildet sich seitlich und nach abwärts eine Ausstülpung. Diese istnichts Anderes als die erste Anlage des N. opticus. Dieser Ausstülpunggegenüber bildet sich im äusseren Kcimblattc eine kleine Grube. DieseGrube drückt die Ausstülpung, die hohl, kolbenartig ist, von vorn und