Druckschrift 
2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
Entstehung
Seite
311
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Entwickclung des Nervensystems.

311

Die weiteren Veränderungen des Embryo beziehen sieh thcils aufdie Entwickclung der inneren, theils auf die der äusseren Geschleehtsiheile,auf die Bildung des Gesichtes und auf das Hervorwachsen der Extremi-täten. Wir werden diese Vorgänge einzeln und in bestimmter Ordnungdurchgehen.

Entwicklung des Nervensystems.

Wir wollen mit dem Ccntralnervcnsystemc anfangen. Wir habengesehen, dass beim Menschen, bei den Säugothieren und Hen Vögeln dasCentralnervensystem sich aus einer Masse anlegte, die sich rinnenförmigeinbog, indem ihre Scitcnthcile sich erhoben, so dass die primitive Pinneentstand, und dass sieh dann die Anlage des Centralnervensystems überder primitiven Binno schloss und diese zum Canalis" centralis medullaespinalis wurde. Das ist auch ebenso bei den Eeptilien und den Amphi-bien. Es ist aber nicht so bei den Knochenfischen. Vor einer Reihevon Jahren hat Schapringer hier im Laboratorium gefunden, dass beider Eorelle sich das Centralnervensystem in ganz anderer Weise anlegt.Die ursprünglich vorhandene, aber sehr flache primitive Einne verstreicht,und das Nervensystem legt sich als ein solider Strang an. Der Quer-schnitt desselben ist etwas eiförmig oder birnförmig, so dass die langeAxc dieser Ellipse oder dieser Ovoide in der Medianebene steht. Danndebisciren die Zellen in der Mitte, so kommt ein Spalt zu Stande. Esergibt sich dadurch eine Ansicht, ganz ähnlich wie wir sie in Figur 88haben, aber diese Gestalt kommt auf ganz andere Weise zu Stande, alsdies eben bei den Säugethieren, den Vögeln, den Eeptilien und den Am-phibien geschieht. Es war nun zu untersuchen, wie sich in dieser Be-ziehung die sogenannten Palaeichthyes verhalten, das heisst die Abthei-lungen von Fischen, deren Ecpräsentanton schon vor der Kreide existirten,und die jetzt noch vertreten sind durch die Haie, die Eochen, dieChimären, die Störe, die Spatularien, durch die Genera Lipisosteus, Poly-pterus und Amia und durch den Ceratodus Forsteri. Es ist dies auchbereits geschehen. F. M. Balfour hat bei Haien die Bildung des Rücken-marks ganz so wie bei den übrigen Wirbelthieren gefunden und ebensoSchenk, der auch bei Torpedo dasselbe beobachtete.

Wenn das Centralnervensystem sich nun schlicsst, so schlicsst essich nicht in seiner ganzen Länge zugleich, sondern zunächst in seinerMitte, so dass die Wülste nach oben und unten in einem sehr spitzenWinkel auseinanderstehen. Der untere Theil schliesst sich normalerweisespäter vollständig. Ein Theil der oberen Partie aber bleibt offen und stelltden vierten Ventrikel mit dem Calamus scriptorius dar. In dem Tlieilenun, der vor demselben liegt, bilden sieh Ausbuchtungen, Erweiterungen,die sogenannten drei Gehirnzellen. Aus der ersten dieser Gehirnzellenbildet sich der N". opticus, der F. olfactorius und die Hemisphären desGrosshirns. Aus dem Vorbindungsstücke zwischen erster und zweiterHirnzelle bilden sich die Sehhügel, aus der zweiten Gehirnzelle dasiiesoneephalon, die Corpora quadrigemina. Aus der dritten Gehirnzellebildet sich das kleine Gehirn, der vordere Theil der Medulla oblongatamit den Oliven und der N. acusticus.

«^mg^^^^nHBS