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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Menstruation.

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schieden. Aber es ist ihm immer eine grössere oder geringere Mengevon Schleim beigemischt, und deshalb kann es häufig als Menstrualbluterkannt werden. Es ist dies in gerichtlichen Füllen von Bedeutung, weilbei Haussuchungen nach blutbefleckten Kleidern, wenn sich irgend einblutbefleckter Leinwandlappen findet, manchmal ein Frauenzimmer derFamilie auftritt und sagt: Das Blut ist von mir, ich habe diesen Lein-wandlappen während der Menstruation benützt. Menstrualblut zeichnetsich, je mehr es mit Uterus- und Vaginalschleim gemischt ist, um so mehrdadurch aus, dass es die Wäsche viel mehr hart macht als Blut, das auseiner Wunde geflossen ist, während letzteres auch in geringer Mengetiefer gefärbte und schärfer begrenzte Flecken ohne farblos infillrirtenRand macht. Der Experte kann also durch Befühlen des Leinwandstückesund Untersuchen der Farbe und der Bänder der Flecken oft die Angabedes Frauenzimmers bestätigen; er kann sagen, es sei Menstrualblut undnicht Blut, das aus einer Wunde geflossen ist. Dagegen ist die umge-kehrte Aussage aus der Untersuchung mit blossem Auge nicht zu recht-fertigen und hat selbst nach der mikroskopischen und chemischen Unter-suchung ihr Bedenkliches, da bei profuser Menstruation das Blut so reichlichund so rein fliessen kann, dass ihm keine in Betracht kommenden Mengenvon Schleim und von Epithelialzellen beigemischt sind und es von solchem,das aus einer Wunde geflossen ist, nicht unterschieden werden kann.

Vor etwa vierzig Jahren und länger stritt man schon darüber, obdas Menstrualblut austrete, wie man sich damals ausdrückte, per rexinoder per diapedesin, ob dabei die Capillaren zerreissen, oder ob das Blutdurch die Wandungen der Capillaren hindurchschwitze. Da es sich zeigte,dass im Menstrualblute die Blutkörperchen enthalten sind wie im andernBlute, so erhielt die Ansicht die entschiedene Oberhand, dass das Men-strualblut durch ltoxis, durch Zerreissung von Capillaren, ausgeschiedenwerden müsse. Heutzutage kann man aber das Vorkommen von Blutkör-perehen im Menstrualblute nicht mehr als entscheidend hiefür ansehen;denn S. Stricker hat nachgewiesen, dass nicht nur farblose Blutkörperchen,sondern auch rothe unter Umständen durch die Wandungen der Capillar-gefässe hindurchtreten können, und diese besonderen Umstände könnensehr wohl auch im meustruirten Uterus vorhanden sein. Man hat beiiiivcrsio uteri den Process der Menstruation direct an der inneren Uterus-oberfläche beobachtet, und es wird beschrieben, es träte das Blut inkleinen Pünktchen hervor, gleichsam wie der Schweiss aus der Haut her-vortritt.

Die Zeit, zu welcher die Menstruation eintritt und aufhört, ist ver-schieden. Die Zeit ist im Allgemeinen früher in warmen Ländern. NachLonget ist das Alter, in dem die Menstruation eintritt, in Warschau imMittel 16 3 / 4 Jahre, in Paris 14 3 / 4 Jahre, in Marseille noch nicht 14. InCalcutta soll für indische Mädchen, nach den Angaben englischer Aerzte,das gewöhnliche Alter der beginnenden Menstruation I2V2 Jahre sein.Es nmss übrigens bemerkt werden, dass dies nicht allein vom Klima alssolchem abhängt, nicht allein vom Einflüsse der Temperatur, denn auchin nordischen Gegenden werden Frauenzimmer, die einer südlichen Kaceangehören, früher menstruirt und entwickelt als die Töchter des Landes.Es ist diese Beobachtung vielfach an Zigeunermädchen gemacht worden,die sich in nördlichen Ländern aufhielten. Manche halten sogar den Ein-