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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Ablösung der Eier.

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Ablösung der Eier.

"Wenn das Ei befruchtet werden soll, so muss es sich vom Eier-stock loslösen, und dies geschieht auf folgende Weise: "Wenn ein Graaf-scher Follikel an die Oberfläche gelangt ist, bekommt er immer mehrFlüssigkeit, so dass er anfangt, über die Oberfläche des Eierstocks her-vorzuragen. Mit der grösseren Menge der Flüssigkeit, die sich in ihmansammelt, tritt auch eine grössere Spannung, ein grösserer Druck ein.Dieser Druck hindert die Circulation des Blutes in den Gefässen desGraafschen Follikels. Diese und mit ihnen das Gewebe werden atrophischund zerreisslieh, und in Folge davon tritt früher oder später eine Zer-reissung des Graafschen Follikels an der Oberfläche ein, so dass dasEi nun durch den Druck der Flüssigkeit ausgestossen wird. Es nimmtdabei immer eine grössere oder geringere Menge von Zellen des Discusoophorus mit.

Früher glaubte man, dass bei diesem Abfallen des Eies vom Eier-stock jedesmal das Peritonaeum zerreisse. Man schrieb eben dem Eier-stocke einen peritonaealen Ueberzug zu; Kost er hat aber nachgewiesen,dass das Peritonaeum nicht über denjenigen Theil der Oberfläche desEierstocks, an welchem sich die Eier ablösen, hinweggeht, ja dass sichhier nicht einmal das Epithel des Peritonaeums fortsetzt, sondern dassder Eierstock mit einem Cylinderepithel bekleidet ist, entsprechend demcylindrischen Baue des ursprünglichen Keimepithels, aus welchem sichdie Auskleidung des Graafschen Follikels und das Ei entwickelt haben.Erst in der Zeit der Involution des Weibes, um das fünfzigste Jahrherum und später, bekommt der Eierstock einen fibrösen Ueberzug, unddamit hört dann auch das Herausfallen der Eier aus den GraafschenFollikeln auf. Bei den Vögeln ist der ganze Process ein ähnlicher, nurmit dem Unterschiede, dass dort die grössere Spannung nicht durchFlüssigkeit hervorgebracht wird, welche sieh im Graafschen Follikel an-sammelt, sondern durch das Wachsthum des Nahrungsdotters. Dadurchwerden die Blutgefässe zusammengedrückt, die Haut des GraafschenFollikels mürbe und zerreisslieh, und das Ei fällt ab.

Es fragt sich nun: wann und unter welchen Umständen fallen über-haupt Eier ab: Man wusste schon längst, dass die Hühner lange Zeitfortfahren Eier zu legen, auch wenn sie nicht mit einem Hahne in Be-rührung gekommen sind, dass also bei diesen Thieren sicher das Abfallender Eier vom Eierstock vom Coitus unabhängig sei. Nichtsdestowenigerhielt man in Rücksicht auf die Säugethiere und den Menschen hartnäckigdie Vorstellung fest, dass die Eier in Folge des Coitus abfallen. Manstellte sich vor, es entstehe dabei eine plötzliche Congestion zu den Ge-schlechtsorganen und damit auch zum Eierstocke, und diese bewirke dieZerreissung der schon im Vorhinein geschwellten Graafschen Follikel. DieUntersuchungen von Coste, von Nogrier, von Kaciborski, von Bischoffund von Courty haben aber vollständig sichergestellt, dass sich die Sachenicht so verhalte, sondern dass bei den Säugethieren und beim Menschendie Eier sich periodisch vom Eierstocke ablösen, ehe noch ein Coitus statt-gefunden, und unabhängig davon, ob überhaupt einer stattfindet. Bei denSäugethieren ist die Zeit, zu welcher die Eier abfallen, die Zeit der