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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Urzeugung.

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ihre Entwickelung bedarf, um die letztere hervorzurufen. Somit könnenwir aus solchen Thatsachen, wie die eben erwähnten, keinen Grund mehrfür die Generatio spontanea ableiten.

Ein anderes Factum ist folgendes: Man fand in sonst ganz dürrenGegenden in Gruben von Gestein, in welchen sich Wasser angesammelthatte, ja selbst in Dachrinnen, die man früher leer gefunden, die auchgelegentlich gekehrt worden waren, wenn sich Wasser darin ansammelte,kleine Thiere, Räderthierchen und Tardigraden. Man glaubte annehmenzu müssen, dass dieselben durch Generatio acquivoca entstanden seien.Nun ist es aber bekannt, dass bei diesen Thieren nicht nur die Keime,sondern die Thiere selbst eine wunderbare Dauerhaftigkeit besitzen. Siekönnen gänzlich austrocknen und können dann durch Monate lang auf-bewahrt werden. Sie sind bis neun Monate lang im getrockneten Zustandeaufbewahrt worden, und wenn man sie dann wieder aufweichte, so lebtensie wieder auf und waren wie vor dem Austrocknen. Sie können also auchim ausgetrockneten Zustande vom Winde als Staub vertragen werdenund da, wo sie niederfallen, wieder aufleben, wenn ihnen das dazu nöthigeWasser zukommt.

Man könnte sagen, auf diesen Gesteinen und in diesen Dachrinnen,wo sich eine sehr hohe Temperatur durch die Sonnenstrahlen entwickelt,müssten die Thiere umgekommen sein, da ja bekanntermassen die meistenThiere keine Temperatur von 50° und darüber aushalten. Aber dem istnicht so. Die vertrockneten Thiere verhalten sich anders als die feuchten.Doyere hat die vertrockneten Thiere auf 120°, ja auf 140" erhitzenkönnen, ohne dass sie dadurch ihre Lebensfähigkeit verloren hätten. Eshängt das offenbar damit zusammen, dass die Eiweisskörper in höherenTemperaturen nur dann in den unlöslichen Zustand übergehen, wenn siedurchfeuchtet sind. Gewöhnliches lösliches Eiweiss, wenn es eingetrocknetwird, kann längere Zeit auf 100° erhitzt werden, ohne dass es dadurchseine Löslichkeit verliert.

Andere Gründe für die Generatio spontanea hat man von den Ein-geweidewürmern hernehmen wollen. Es schien, als habe man hier mitweniger Unwahrscheinlichkeit zu kämpfen als bei der Generatio spontaneaim weiteren Sinne. Die Eingeweidewürmer sollten nicht aus etwas lieb-losem entstehen, sondern aus Elementen des Wohnthieres, welche sich inanomaler Weise entwickelt hatten. Man muss sich daran erinnern, dassdie Spermatozoiden längere Zeit für Thiere gehalten wurden, und da sichdiese offenbar aus Elementen des menschlichen Organismus entwickelten,so kam den Leuten der Schritt nicht so gross vor, auch noch anzunehmen,dass andere Thiere, welche sieh im Organismus finden, dass Eingeweide-würmer aus den Elementen desselben hervorgehen.

Die 'ausgedehnten Studien, die in neuerer Zeit über Eingeweide-würmer gemacht worden sind, haben aber von alledem nichts bewahr-heitet, sie haben nur gezeigt, dass die Eingeweidewürmer sich aus Keimenentwickeln, die von ihresgleichen herrühren, niemals aus solchen, welchevom Hause aus ihrem Wohnthiere eigenthümlich angehören und einenintegrirenden Bestandtheil von dem Leibe desselben ausmachen.

Brücke. Vorlesungen. II. S. Aufl.

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