Tastsinn und Gemeingefühl.
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Es fiel Spallanzani auf, dass die Fledermäuse auch in der Dun-kelheit Hindernisse, welche sich ihnen entgegenstellen, mit grosser Ge-schicklichkeit vermeiden und niemals mit den Flügeln an irgend ein solchesHinderniss anstossen. Um zu sehen, oh es das Gesicht sei, welches sieleitet, blendete er die Fledermäuse. Er fand aber, dass sie auch dann inderselben Weise und mit derselben Geschicklichkeit die Hindernisse ver-mieden. Er spannte Fäden in seinem Zimmer aus und fand, dass dieFledermäuse zwischen denselben herumflatterten und auch an die Fädennicht anschlugen.
Man hat aus diesen Versuchen den Schluss gezogen, dass die Fleder-mäuse einen sechsten Sinn haben müssten, dass sie Perceptionsorganehaben müssten, die nach einem andern Principe gebaut sind als unsereSinnesorgane und Wirkungen vermitteln, welche unsere Sinneswerkzeugeihrer Natur nach nicht vermitteln können. Es ist jedoch dieser Sehlussnicht vollkommen gerechtfertigt. Es ist bekannt, dass auch wir die Strah-lungen wahrnehmen, die von den Aussendingen ausgehen, und zwar nichtnur durch unsere Augen, sondern auch durch die Nerven unserer Haut-oberfläche. Nur bekommen wir durch die Nerven unserer Hautoberflächebegreiflicherweise keine Bilder, wir empfinden nur die Strahlungen alssolche, und empfinden sie verhältnissmässig stumpf: deshalb bemerkenwir von den einigermassen gleichwarmen Körpern im Allgemeinen nichts.Wenn wir aber in die Nähe eines warmen Ofens oder in die Nähe einesFeuers kommen, so nehmen wir diese Dinge nicht allein durch das Gesichtwahr, sondern auch durch die Strahlung, welche unsere Haut trifft. Danun von allen Körpern Strahlungen ausgehen, und zwar nicht blos, wennsie beleuchtet sind, sondern auch im Dunkeln, aber eben Strahlungen, diewir nicht sehen, sondern Strahlungen von dunklen Wärmestrahlen, so istes, wenn wir uns die Empfindlichkeit von Hautnervon sehr erhöht und ver-feinert denken, nicht ganz unmöglich, dass die Ausstrahlungen der Körperals solche von Thieren empfunden werden, und dass sie dadurch geleitetworden, dieselben zu vermeiden.
Freilich setzt'dies eine Schärfe des Unterscheidungsvermögens voraus,von welcher unter uns Menschen selbst der empfindlichste keine Vorstel-lung hat: aber haben wir denn eine Vorstellung von der Feinheit desGeruchssinnes eines Hundes oder eines Eehes? Bei den Fledermäusenkommen ausserdem sehr ausgebreitete und zarte Hautoberflächen vor. Zu-nächst die Hautoberfläche der Flügel mit ihren sehr zahlreichen Nerven,dann die Hautfalten auf der Nase, welche namentlich bei einem Genus,das davon den Namen Phyllostoma erhielt, zu förmlichen gefalteten blatt-artigen Fortsätzen entwickelt sind. Wenn man dies berücksichtigt, sokann man es nicht für unmöglich halten, dass vielleicht hier Eindrücke aufsehr empfindliche und in vortheilhafte Bedingungen gesetzte Tast- oderTemperaturnerven übertragen und durch diese wahrgenommen werden.Nach Jurine sollen geblendete Fledermäuse an Hindernisse anstossen,wenn ihnen jederseits der äussere Gehörgang mit Pomade oder Stärke*kloister verschmiert ist. Bei sehenden soll dies nicht der Fall sein.
Es ist sehr schwer zu urtheilen über die Frage nach dem sechstenSinn, weil wir von einem solchen uns gar keine Vorstellung machenkönnen. Alle unsere Vorstellungen stammen aus den fünf Sinnen, diewir besprochen haben, und für die Vorstellungen, die uns aus den' Wahr-