Tastsinn und Gemeingefühl.
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ich erst an der einen Stelle eine Depression und dann an der andern.Es fallen also jetzt die mechanischen Zerstreuungskreise bei demselbenAbslande der Oirkelspitzen nicht in derselben Art theilweise zusammen,wie dies der Fall ist, wenn ich die beiden Oirkelspitzen gleichzeitigaufsetze.
Es tritt nun weiter die Frage an uns heran: Inwieweit sind dieanderweitigen Empfindungen, welche uns von der Haut zugehen, auchEmpfindungen der Tastnerven? Man unterscheidet eine Reihe von Empfin-dungen als dem Gcmeingefühle angehörig, indem man es gewöhnlich soanffasst, dass man bei den Sinneswahrnehmungen und auch beim eigent-lichen Tasten in der Vorstellung nicht seinen eigenen Körper, sonderndie Objecto fühlt, die man ansieht, die man riecht, die man hört, die manbetastet; dass wir dagegen bei gewissen anderen Empfindungen das Gefühlhaben, dass wir unseren eigenen Körper empfinden, und dies bezeichnetman mit dem Namen des veränderten Gemeingcfühles. Als den Ver-änderungen des Gemeingefühles angehörig sieht man also an Schmerz,Kitzel, Schaudern, Unbehagen u. s. w.
Es fragt sich also: wenn die Haut gekitzelt wird, und zwar so weit,dass dadurch ein Schaudern als Reflex in den Nerven der glatten Muskel-fasern der Haut ausgelöst wird, oder das Lachen, also Reflex in denRespirationsmuskeln entsteht; ist dieses Kitzeln auch eine Empfindung derTastnerven oder kommt mir diese durch andere Nerven zu? Ich glaube,dass das Kitzeln nichts Anderes ist als eine besondere Art der Empfin-dung in unseren Tastnerven. Das Kitzeln entsteht dann, wenn entwedereine Gruppe von Tastnerven sehr oft hintereinander schwach erregt wird,oder wenn nacheinander Gruppen von Tastnerven schwach erregt werden.Es entsteht, wenn ich mit einem Federbart oder einem Strohhalm leiseüber die Haut hinfahre, es entsteht aber auch dann, wenn ich den Fingeran eine schwingende Saite bringe, so dass sie sehr rasch hintereinanderdieselbe Gruppe von Nerven wiederholt erregt.
Wir fragen dann weiter, ob der Schmerz, der uns erregt wird, wennheftig gerieben wird, oder wenn die Haut gekneipt wird u. s. w., ob unsdieser auch durch die Tastnerven zugeht oder nicht. Es ist jetzt dieAnsicht von Johannes Müller ziemlich allgemein angenommen, dass derSchmerz von gewöhnlichen Empfindungsnerven herrühre, die im Allge-meinen unseren Tastnerven als gleichwerthig zu betrachten sind, und dieeben in sehr hohem Grade erregt worden sind. Darnach müsste man alsosagen, die höheren Grade von Erregungen der gewöhnlichen Empfindungs-nerven sind es, welche wir als Schmerz empfinden. Man hat sich freilichauf die qualitativen Verschiedenheiten des Schmerzes, auf einen stechen-den, einen schneidenden, einen drückenden Schmerz u. s. w. berufen;aber es lassen sich diese Verschiedenheiten auch auf die verschiedeneArt der Erregung zurückführen. Wenn eine bestimmte kleine Gruppevon Nerven in sehr hohem Grade erregt wird, so haben wir einenstechenden Schmerz. Pflanzt sich die Erregung linear fort, dann habenwir einen schneidenden Sehmerz. Wird dagegen eine grössere Mengevon Nerven schwächer, aber gleichzeitig erregt, dann haben wir einendrückenden Schmerz u. s. w.
Ein sehr wichtiger Einwand gegen diese Theorie ist gemacht worden.Es sind nämlich Fälle beobachtet worden, in denen die Empfindlichkeit