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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Die Zunge.

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das Blut abfuhr!. Die Papulae filiformes sind mit einem sehr dicken ge-schichteten Pflasterepifhel überkleidet. An den Spitzen der Papulae fili-formes verlängern sich die Epithelzellen und liegen dabei dachziegelförmigaufeinander. Sie bilden zwar beim Menschen nicht, wie bei den Katzen-fkieren, förmliche Stacheln, aber sie bilden doch ein oder mehrere ziem-lich lange spitzige Hervorragungen. Die spitzigen Hervorragungen könnenmanchmal so lang worden, dass durch dieselben die ganze Zunge wie be-haart erscheint, indem man in der That, wenn man über dieselben streicht,eine Menge haarförmiger Gebilde in die Höhe richtet, welche nichts An-deres sind als die Epithelfortsätze der Papulae filiformes. Der Ausdruckbehaarte Zunge, der mehrfach für solche Fälle gebraucht worden ist, istinsofern unrichtig, als dies nicht wirkliche Haare sind, indem sie nichtden Bau eines Haares haben und nicht nach Art eines Haares in denMutterboden eingepflanzt sind. Sie haben aber allerdings mit den Haarengemein ihre fadenförmige Gestalt und das, dass sie eben Horngebilde sindwie die Haare. Zwischen den Epilhelzullen wuchert hier und anderswoauf der Zunge häufig in grosser Menge ein kleiner Pilz, der seine Fädenzwischen die einzelnen Epithelialzellcn eindrängt, die Zellen umspinntund überspinnt, imd auf diese Weise die Hauptmasse des gelbweissen Be-leges auf der Zunge bildet, den man mit dem Namen des katarrhalischenBeleges bezeichnet. Man hat eine Zeit lang geglaubt, dass dieser Belegnur aus gelockerten und deshalb undurchsichtig gewordenen Epitholzellenbestehe; die mikroskopische Untersuchung lehrt aber, dass darin zu gleicherZeit eine grosse Menge von Fäden und Sporen dieses Pilzes enthalten ist.

Die zweite Art von Papillen sind die Papulae fungiformes. Diesestehen nur vereinzelt und sparsam auf dem vorderen Drittthcil der Ober-fläche der Zunge, aber sie stehen in grösserer Menge auf den zwei hin-teren Dritttheilen der Zunge und auf dem ganzen Rande der Zunge ver-theilt. Sie haben die Form eines etwas plattgedrückten Knöpfchens, eineForm, welche man mit der gewisser Pilze verglich, und deshalb diesenPapillen den Namen der Papulae fungiformes gab. Sie sind mit einemgeschichteten Pflasterepithel überzogen, das aber dünner ist und nichtso verhornt wie das, welches die Papulae filiformes überzieht. Zu diesenPapillen ziehen zahlreiche Nerven hin, welche offenbar in denselbenendigen.

Die dritte Art der Papillen sind die Papulae circumvallatae. Siestehen in Form eines römischen V auf der Wurzel der Zunge, stellenihrer Gestalt nach im Allgemeinen kurze Cylinder oder abgestumpfte Kegeldar und sind ringsum mit einer grabenförmigen Vertiefung umgeben. Indiese grabenförmige Vertiefung mündet ein ganzer Kranz von Schleimdrüsenein, deren Körper zwischen den Muskelfasern der Zunge liegen, undwelche mit ihren Ausführungsgängen in der Tiefe des Grabens die Schleim-haut durchbohren. Das Plateau der Papille hat eine durch Erhebungenund Vertiefungen variirte Oberfläche, und darüberhin geht das geschichtetePfiasterepithel, welches auch die übrige Zunge üborkleidet. Auch in diesePapillen treten zahlreiche Nerven und Gefässe hinein.

Wenn wir nun fragen, welche von diesen Papillen dem Geschmackedienen, so müssen wir zunächst antworten, dass wahrscheinlich die Pa-pulae filiformes mit der Geschmacksempfindung nichts zu thun haben. Siescheinen erstens arm an Nerven zu sein, zweitens haben sie eine sehr

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