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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Geruchssinn.

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verschiedene Geruchsempfindungen hervorruft; aber wir sind hier in derAnalyse noch nicht so weit vorgeschritten wie beim Gesichte und beimGehör, nicht einmal so weit wie beim Geschmack. Wir benennen dieGerüche wesentlich nur noch nach den Dingen, von denen sie ausgehen.Wir sagen, es rieche etwas nach Veilchen, oder es rieche etwas nachTerpentin, oder es rieche etwas faulig, das heisst es verbreite einenGeruch, wie er von faulenden Körpern ausgeht. Geruchsempfindungenkönnen einander übertäuben, bis zur Unkenntlichkeit; aber wir kennenkeine bestimmten Gesetze, nach denen sie sich zusammensetzen.

Damit ein Stoff riechbar sei, muss er zweierlei Eigenschaften haben :er muss erstens flüchtig sein, damit er sich in der Luft verbreiten könne,und zweitens muss er wenigstens bis zu einem gewissen Grade im Wasserlöslich sein, weil er sich ja in der Flüssigkeit, mit welcher die Rieeh-schleimhaut durchtränkt ist, verbreiten soll. Anscheinend ist indessenalles beides nicht nöthig. Wir riechen z. B. auch Metalle, wir riechenmit einem eigentümlichen, wie wir sagen, metallischen Gerüche einealte Münze, und doch wissen wir nicht mit Bestimmtheit zu sagen, wasan dieser Münze flüchtig sei, und was sich in der Riech Schleimhaut derNase auflöse. Es hängt dies mit der ausserordentlichen Empfindlichkeitunseres Geruchssinnes zusammen, der allen chemischen Untersuchungenweit vorauseilt. Es gibt kein Reagens, welches sich an Empfindlichkeitirgendwie mit unseren Geruchsnerven messe könnte. Ein StückchenMoschus, das zwischen Kleidern aufbewahrt worden ist, und das an dieKleider unwägbare Mengen abgegeben hat, theilt diesen seinen Geruchin der Weise mit, dass er wochenlang an denselben nicht nur in deut-licher, sondern auch in höchst störender, für Manche unerträglicher Weisehaftet. Und doch ist das Geruchsorgan des Menschen verhältnissmässigstumpf gegen das Geruchsorgan der Thiere. Schon die reissenden Thiere,z. B. die Hunde, haben einen viel feineren Geruch, indem sie der Spurdes Menschen, des Wildes und der anderer Hunde folgen und dabei durchden Geruchssinn geleitet werden. Ihr Geruchssinn wird aber nach demUrtheile erfahrener Jäger von dem der Rehe an Leistungsfähigkeit nochbei Weitem übertroffen.

Aber Eines ist nöthig, damit Geruchsempfindungen percipirt werden:dass ein Luftstrom durch die Nase hindurchzieht und an der Regio olfac-toria vorübergeht. Es zeigt sich hier wieder, dass wir nur Veränderungenempfinden und keine dauernden Zustände. Es muss den Geruchsnervenimmer neue riechende Substanz zugeführt werden, wenn die Gcruchsempfin-dung fortdauern soll. Man kann die Geruchsempfindung zum Verschwin-den bringen, sobald man den Athem anhält. Man braucht sich nicht dieNase zu verhalten, man braucht nur dem Athem anzuhalten, damit keinLuftstrom durch die Nase zieht, so hört die Geruchsempfindung sofortauf. Sobald man aber den Luftstrom wieder herstellt, stellt sich auch dieGeruchsempfindung wieder her. Damit hängt es auch zusammen, dass wir,um eine lebhafte Geruchsempfindung hervorzurufen, die Luft von den zuriechenden Körpern mit Energie in die Nase ziehen. Damit hängt es fernerzusammen, dass bei Facialislähmungen auf der gelähmten Seite der Geruchin der Regel schwächer ist als auf der gesunden Seite, weil man auf dergelähmten Seite die Luft weniger gut in die Nase einziehen kann, alsdies auf der gesunden Seite geschieht, indem, wenn man die Luft ein-