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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Mittleres Ohr.

Menschen die Menge der Sehallwellen, welche auf diese Weise reflectirtwird, keine bedeutende ist, keine so bedeutende wie bei vielen Thierendie grosse trichterförmige Ohren haben, deren Trichteröffnung sie gegendie Schallwellen hin richten können. Es kommen aber nicht allein dieSchallqielld in Betracht, die auf dem Wege der Reflexion von der Ohr-muschel in den äusseren Gehörgang hinein reflectirt werden; es kommenauch die Schallwellen in Betracht, die an die Ohrmuschel übertragenwerden. Die Ohrmuschel besteht aus einem Fetzknorpel mit einer ver-hältnissmässig geringen Menge von Zwischensubstanz, welcher mit demfibrösen Ucberzuge, welcher das Porichondrium bildet, eine im hohen Gradeelastische, mehrfach gebogene Lamelle darstellt. Von dieser wird indessendoch nur ein sehr kleiner Thoil der lebendigen Kraft der Schallwellen aufdie Knochen und so auf das innere Ohr übertragen. Es ist nicht geradeselten, dass man Individuen mit fehlender Ohrmuschel beobachten kann.Bei solchen hat es sich gezeigt, dass sie zwar auf der Seite, wo ihnendie Ohrmuschel fehlt, weniger gut hören als auf der andern, dass sie aberdoch nicht in hohem Grade harthörig sind. Der Werth der Ohrmuschelfür das Hören ist also beim Menschen nicht so gross, wie dies Laien an-zunehmen geneigt sind.

Auffallend ist es auf den ersten Anblick, dass Hindernisse imäusseren Gehörgange, wenn sie denselben nicht geradezu verstopfen, dasHören sehr wenig erschweren. Es ist bekannt, dass ein Schall in seinerFortleitung am meisten durch fein vertheilte, feste Körper gehindert wird.Wenn man sich vor dem Ciavierspiele eines Nachbars, von dem man durcheine doppelte Thürc getrennt ist, schützen will, so füllt man den Zwischen-raum zwischen den Thüren mit Heu oder Stroh aus, um durch die zahl-reichen Reflexionen, die die Schallwellen an den vielfach vertheilten festenKörpern erleiden, die Töne zu schwächen. Nun ist aber der äussere Ge-hörgang' mit Haaren besetzt, die in den späteren Lebensjahren oft einebedeutende Länge erreichen, ja büschelförmig zum äusseren Gehörgang her-auswachsen können, ohne dass dadurch das Hören wesentlich beeinträchtigtwird. Man kann sich ferner überzeugen, dass ein Baumwollenbausch, losein den äusseren Gehörgang gesteckt, das Hören nur wenig hindert: manmuss erst den Gehörgang förmlich tamponiren, um sich im hohen Gradeharthörig zu machen. Es hängt dies offenbar mit der Kürze des Wegeszusammen, den der Schall im äusseren Gehörgange zurückzulegen hat.

Trommelfell und mittleres Ohr.

Vom äusseren Gehörgange gelangen die Schallwellen an das Trommel-fell. Das Trommelfell ist eine fibröse Platte, welche aus einer äusserenradiären Lage von Easern besteht und aus einer inneren ringförmigen, diean Bande stärker ist, nach innen gegen das Centrum hin schwächer wird.Nach aussen, sagt man, gehe die Cutis über dasselbe hin. Das, was abervon der Cutis über das Trommelfell hingeht, besteht in einigen Elementenvon gemeinem Bindegewebe und dem äusseren Epithel des Trommelfell,welches hier als eine Fortsetzung des Oberhäutchens des äusseren Gehör-ganges erscheint. Nach innen setzt sich in ähnlicher Weise die Aus-kleidung der Trommelhöhle fort. Die Trommelhöhle ist mit einem binde-gewebigen, gefässreichen Ueberzugc ausgekleidet, der ein Flimmerepithcl