Stereoskope.
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nungen ungleich, aber sie sind insofern einander ganz ähnlich, dass überall,wo das eine Auge dunkel sieht, das andere Auge auch dunkel sieht, und wodas eine Auge hell sieht, auch das andere hell sieht. Anders verhält es sichbei glänzenden Gegenständen. Vermöge der Spiegelung werden hier Partien,die von dem einen Auge hell gesehen werden, von dem andern Augedunkel gesehen und umgekehrt. Jetzt biete ich nun meinen AugenBilder dar, durch welche das eine Auge gezwungen ist, da hell zu sehen,wo das andere dunkel sieht. Dann heisst es in mir: So etwas ist mirniemals passirt, wenn ich auf einen matten Gegenstand gesehen habe, soetwas ist mir nur passirtj wenn ich auf einen glänzenden Gegenstand ge-sehen habe, und folglich urtheile ich mittelst eines unbewussten Schlusses,dass der Körper, den ich unter dem Stereoskope sehe, glänze. Hieraufberuht es auch, dass in den stereoskopischen Bildern der wirkliche Glanzder Gegenstände wiedergegeben wird, mit einer Wahrheit, mit der ihnein Flachbild niemals wiedergibt. Man hat stereoskopische Bilder italieni-scher Interieurs, z. B. aus dem Vatican, in denen sich geschliffene Mar-morsäulen und Fussböden befinden, die glänzen. Wenn man die stereo-skopischen Bilder mit freiem Auge ansieht, so bemerkt man an ihnennichts Anderes als an jeder anderen Photographie; wenn man sie aber indas Stereoskop hineinlegt, so erscheint der geschliffene Marmor wirklichglänzend, einfach deswegen, weil Licht und Schatten in den beiden stereo-skopischen Bildern nicht gleichmässig vertheilt sind und wir deshalbmit einem Auge an derselben Stelle dunkel sehen, an der wir mit demandern hell sehen. Es wird also hier im Stereoskope die Vorstellung desGlanzes nach denselben Principien in uns erzeugt, wie sie durch das An-schauen der Gegenstände selbst erzeugt wird. Man hat sich dies zu Nutzegemacht, um eine Täuschung bei anderen Interieurs hervorzubringen, indenen hängende Glaslustres dargestellt sind. Um die glänzenden Punkteder facettirten Gläser hervortreten zu lassen, hat man nur in einem stereo-skopischen Bilde die Lichtpunkte an denselben durchgeprickelt, so dassdiese besonders hell sind und also an gewissen Stellen das eine Auge be-sonders hell, das andere dunkler sieht, und folglich wiederum die Vor-stellung des Glanzes in uns wachgerufen wird. Auch wenn Sie farbigeZeichnungen auf farbigem Grunde durch farbige Gläser ansehen, könnenSie sieh dadurch die Vorstellung des Glanzes hervorrufen. Einen solchenVersuch hat Dove angegeben, von dem auch der früher erwähnte Glanz-versuch herrührt. Er führte eine blaue Zeichnung auf rothem Grundeaus und sah sie an, indem er vor das eine Auge ein rothes und vor dasandere ein blaues Glas setzte. Dabei erscheint durch das rothe Glas dieblaue Zeichnung beinahe schwarz, der rothe Grund aber hell, währenddurch das blaue Glas der rothe Grund sehr dunkel und die blaue Zeich-nung hell erscheint. Sieht man durch beide gleichzeitig, so scheint dieganze Figur zu glänzen.
Was geschieht, wenn ich ohne grossen Helligkeitsunterschied beidenAugen verschiedene Farben darbiete? Ich kann dies im Stereoskope thun.Ich mache zwei Tafeln, die in der Weise farbig sind, dass jede ein rothesund ein blaues Feld hat, und auf der einen das rothe Feld breiter istals das blaue Feld, auf der andern das blaue breiter als das rothe. Wennich diese beiden im Stereoskope zur Vereinigung bringe, dann habe ichauf der einen Seite einen Streifen, der roth ist, und auf der andern Seite
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