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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Stereoskope.

in den Bildebenen bewegte. Auch hier kommt derselbe Effect zu Stande,auch hier hat man die Scheinbewegungen, obgleich man thatsächlich nichtgleichzeitig das eine und gleichzeitig das andere Ende des Stabes hat zurVereinigung bringen können.

Der Einfluss zweier verschiedener perspectivischer Ansichten machtsieh auch geltend, wenn beide nach einander einem und demselbenAuge dargeboten werden. Wenn man unter dem einfachen Mikroskopeeine Gefässinjection betrachtet, so sieht man sie körperlich, das heisst so,wie man etwa auch ein gut gemaltes Bild körperlich sehen würde; aberder Eindruck des Körperlichen wächst und drängt sich uns mit unwider-stehlicher Gewalt auf, sobald wir das Auge hin und her bewegen unduns so nach einander verschiedene perspectivische Bilder der Injectionverschaffen. Wir ziehen eben unbewusste Schlüsse aus allen Sinnesein-drücken, aus welchen sie gezogen werden können, und die ganze Weltunserer Vorstellungen setzt sich aus solchen Schlüssen zusammen.

Es fragt sich nun, was geschieht, wenn ich beiden Augen Dingedarbiete, die sie überhaupt nicht zur Vereinigung bringen können, wennich z. B. dem einen Auge im Stereoskope einen Kreis darbiete, in welchenein S gezeichnet ist, und dem andern Auge einen Kreis, in welchen einT gezeichnet ist? Dann werde ich freilich im gemeinsamen Sehfelde diebeiden Kreise zur Deckung bringen, aber die beiden Buchstaben kann ichnatürlich nicht in einen gemeinsamen Eindruck vereinigen. Nun entstehtder sogenannte Wettstreit der Sehfelder, man sieht momentan beide Buch-staben, aber schwächer gezeichnet als den umgebenden Kreis: dann ver-schwindet abwechselnd der eine und der andere, manchmal bricht auchder eine entzwei, dann der andere, so dass man von jedem derselben einStück sieht.

Was geschieht, wenn das eine Auge hell sieht da, wo das anderedunkel sieht? Dann hat man auch zwei Eindrücke, welche man nicht zurVereinigung bringen kann. Nehmen wir an, ich hätte die beiden Bilder

A und B Figur 58. DieFig. 58. eine Pyramide hat

schwarze Flächen undweisse Kanten, die an-dere hat weisse Flächenund schwarze Kanten.Ich stecke beide in dasStereoskop, um sie zurVereinigung zu brin-gen. Dann sehe icheine graue Pyramide,die aber glänzt. Siesieht aus, als sei sie ausGraphit geschnitten.

Es fragt sich: wo-her kommt hier derEindruck des Glanzes?A B Der Eindruck des Glan-

zes stammt aus einem unbewussten Schlüsse. Wenn ich einen mattenKörper ansehe, so sind zwar die beiden Netzhautbilder in ihren Zeich-