Binoculäres Sehen.
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Binoculäres Seilen.
Durch das binoculärc Sehen, durch das gleichzeitige Auffassen mitbüiden Augen wird es möglich, dass Fehler und Unvollkommenheitcn deseinen Auges bis zu einem gewissen Grade durch das andere Auge ausge-glichen werden. Ferner beruhen auf dem binoculären Sehen zum gutenThcile unsere Vorstellungen von der Körperlichkeit der Dinge und im Zu-sammenhange damit auch die Vorstellungen von der Entfernung der Dingevon uns. Wenn wir einen Gegenstand deutlich sehen wollen, so suchenwir ihn in beiden Augen im sogenannten Centrum retinae, im Grundeder Fovea centralis retinae, abzubilden. Wir suchen also eine gedachtegerade Linie auf ihn zu richten, welche durch den zwischen den Knoten-punkten liegend gedachten Kreuzungspunkt der Sehstrahlen und durchdas Centrum retinae hindurchgeht. Diese Linie nennen wir die Gesichts-linic. Die Gesichtslinie ist also von allen Sehstrahlen, das hoisst vonallen geraden Verbindungslinien zwischen Bild und Objcct, diejenige,welche das Contrum retinae im Grunde der Fovea centralis trifft. EinenPunkt im Sehfelde, auf den eine Gesichtslinic gerichtet ist, nennen wireinen Blickpunkt, und einen Punkt, auf den beide Gesichtslinicn gerichtetsind, an dem also zwei Blickpunkte in einen zusammengefallen sind, be-zeichnen wir mit dem Kamen des Fixationspunktes, wir sagen von diesemPunkte, er sei in der Fixation. Die Stellen der Bilder der Blickpunkte,die ja in beiden Augen in den Grund der Fovea centralis, in das soge-nannte Centrum retinae fallen, sind identische. Stellen, d. h. ihre Eindrückewerden nicht doppelt, sondern einfach empfunden, indem wir deren Ur-sachen für beide Augen an einen und denselben Ort des Sehraumes ver-setzen. Das fixirte Object wird also einfach gesehen. Denken Sie sich,der Punkt a sei der Fixationspunkt, so wird dieser in beiden Augen inder Fovea centralis retinae abgebildet, und zwar in a, und a„. Wirsprechen hier zunächst nur von Augen, die eine normale Fixation haben,wir nehmen aus die schielenden, bei denen entweder ein Auge feststehtoder doch nur Bewegungen in beschränkter Ausdehnung macht, oder beidenen das zweite Auge zwar dem ersten in seinen Bewegungen folgt, aberso, dass keine Fixation zu Stande kommt, dass der angesehene Punkt nichtin beiden Augen, sondern nur in einem Auge im Grunde der Foveacentralis retinae abgebildet wird. Denken Sie sich nun, es wäre diesseitsvon a ein zweiter Punkt ß, und Sie zögen von ihm durch den Kreuzungs-punkt der Sehstrahlen zur Netzhaut hin eine Gerade, Tim sein Bild zufinden, so wird er in dem einen Auge in ß,, im andern Auge in y„ ab-gebildet werden. Er wird also in beiden Augen nach der Schläfenseitehin abgebildet werden. Das eine Auge muss ihn also im Sehfelde nachlinks vom fixirten Punkte versetzen, das andere Auge muss ihn nach rechtsdavon versetzen. Es ist also klar, dass dieser Punkt Doppelbilder gebenmuss, und zwar sogenannte gekreuzte Doppelbilder, indem, wenn ich dasrechte Auge sehliesse, das zur linken Hand' liegende Doppclbild ver-schwindet, und wenn ich das linke Auge sehliesse, das zur rechten Handhegende Doppelbild verschwindet. Denke ich mir umgekehrt, ich hätteeinen Punkt y> der jenseits von a. liegt, so wird dieser Punkt, wenn ichvon ihm eine Gerade durch den Kreuzungspunkt der Sehstrahlen ziehe.