218
Kuf onumitisohos Solion
Purkinje hat noch einen andern Weg eingesehlagen, um die Ader-figur sichtbar zu machen. Er hat das Flammenbild, das als Beleuchtungdienen soll, an Ort und Stelle dadurch hervorgebracht, dass er eineSammellinse neben dem Auge aufstellte und die Strahlen einer Lichtquelledurch diese Sammellinse auf einen Punkt der Sclcrotica concentrirte, sodass sie durch die Selera und die Chorioidea hindurchgingen und auf derNetzhaut einen Lichtpunkt bildeten, von dem aus sie wieder divergirtonund so einen anomalen, sichtbaren Gofässschattcn hervorriefen. Auf dieseWeise kann die Purkinje'schc Aderfigur noch deutlicher zur Erscheinunggebracht werden als nach dem vorerwähnten Verfahren.
Heinrieh Müller hat diesen Versuch benützt, um eine wichtigeThatsache zu eruiren, die Thatsache, dass die Netzhautclcmente, die ».herste Angriffspunkte für das Licht dienen, nicht an der vorderen, sondernan der hinteren Fläche der Netzhaut liegen. Wir haben schon gesehen,dass die Figur deutlicher wird, wenn die Lichtquelle sich bewegt.Heinrich Müller hat seine Lichtquelle durch Hin- und Herschieben derLinse bewegt und bemerkt, dass sich dann auch die Aderfigur im Seh-felde bewegte. Nun sehen 'Sie leicht, dass das nicht wohl möglich wäre,wenn der Angriffspunkt für das Licht ganz vorne auf der Netzhaut liegenwürde, da wo die Gefässe selbst liegen. Wenn ich ein solches Gefässeinmal von der einen, das andere Mal von der andern Seite, beleuchte, sowird dadurch die Lage des Schlagschattens in einer Ebene, die mit der,in der das Gefäss selbst liegt, nahezu zusammenfällt, nicht merklich ver-ändert. Wenn aber die auffangende Fläche für den Schlagschatten weiternach hinten liegt, dann fällt bei Beleuchtung von verschiedenen Seitenauch der Schlagschatten an verschiedene Orte derselben, er muss sich alsoauf ihr verschieben, wenn die Lichtquelle bewegt wird. HeinrichMüller mass nun die Verschiebung der Lichtquelle und zugleich auchdie Verschiebung, die die Aderfigur im Sehfelde erlitt, und berechnetedaraus, wie weit die auffangende Fläche hinter den Gefässcn liegenmüsse. Er kam zu dem Resultate, dass die auffangende Fläche in derhintersten Schichte der Netzhaut, also in der Stäbchenzapfcnschichte,liegen müsse. '-----
Der Gefässbaum ist uns für gewöhnlich nicht sichtbar, weil er siehruhend an einem und demselben Orte befindet und seinen Schatten immeran einen und denselben Ort wirft; aber die sich bewegenden Theile, dieBlutkörperchen, sind uns unter Umständen schon mit freiem Auge sichtbar.Wenn wir gegen einen sehr hellen Grund, z. B. gegen den hell beleuch-teten Himmel sehen, so dass die Pupille sehr enge wird, dann schon wirim Sehfelde eine Menge heller Punkte, die sich in einer gewissen lleihen-folgc, mit einer gewissen Bcgclmässigkcit und in gewissen Riehtungenbewegen. Wenn wir diese Punkte längere Zeit beobachten, so können wirkaum bezweifeln, dass dieselben dem optischen Effecte der Blutkörperchenin den Nctzhautgefässen ihren Ursprung verdanken. Sie sind Schlagschattenim physikalischen Sinne des Wortes, aber man muss dabei berücksichtigen,dass Schlagschatten in Folge der Rcfraction und der Diffraction nichtüberall dunkler sind als der Grund, auf dem sie sich abzeichnen.