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Chromasie des Auges.
matisch sei, so scliloss er daraus, dass sein Auge nicht achromatisch seinkönne, und dies zeigte sich auch in der That. Man kann auch mit an-deren Hilfsmitteln, z. B. dadurch, dass man Theihvngen mit verschieden-farbigem Lichte beleuchtet, oder die Theilungen auf verschiedenfarbigenGläsern einritzt, zeigen, dass das Auge jedesmal weitsichtiger ist für dierothen Strahlen und kurzsichtiger ist für die blauen und violetten, weileben im Auge die kurzwelligen Strahlen stärker gehrochen werden alsdie langwelligen. Man kann auch die Farbenzerstreuung für das Augesichtbar machen, wenn man ein Netzwerk aus weissen Fäden in einersolchen Entfernung ansieht, dass die Fäden vermöge der gebildeten Zer-streuungskreise nicht mehr scharf gesehen werden; dann findet man dieItänder der Fadenbilder farbig.
Warum sieht man für gewöhnlich von dieser Farbenerscheinungnichts? — Die Zerstreuung ist keine so bedeutende, dass die Farben desSpectrums vollständig von einander getrennt würden. Bei dem eben er-wähnten Versuche sieht man nur blaue und gelbrothe oder rothgelbeSäume. Nun sei in Fig. 40 oa ein weisser, a b ein gelber, a c ein blauer
Fig. 40.
Strahl, so würden von der andern Seite gleichfalls zwei Strahlen kommena, b und a, c r Wenn die Netzhaut zwischen dem Yereinigungspunkte fürdie violetten Strahlen und dem für die rothen Strahlen liegt, so schneidetsie an einer Stelle durch, an der die langwelligen Strahlen, die von dereinen Seite kommen, auf die kurzwelligen fallen, die von der andernSeite kommen, und umgekehrt. Nun ist, wie gesagt, die Farbenzerstreuungzu gering, als dass die Farben vollständig von einander getrennt wären,sie beschränkt sich darauf, dass man auf der einen Seite mehr Gelbrotkund auf der andern mehr Blau hat. Fallen also die Strahlen von beidenSeiten her übereinander, so compensiren sich die Farben und heben ein-ander auf. Wenn aber die Retina entweder durch den Vereinigungspunktder violetten Strahlen oder durch den der rothen fällt, dann ist dies nicktder Fall, und deshalb sehen wir die farbigen Säume an Gegenständen,für welche das Auge nicht eingestellt ist. Ferner, wenn wir mit einemGegenstande unsere halbe Pupille verdecken, so sehen wir sofort an weissenGegenständen, die sich auf dunklem Grunde absetzen, farbige Säume, weilwir nun die Compensation aufheben, indem wir die Strahlen, die durchdie eine Hälfte des Auges gehen, abblenden.
Von der Verminderung der Sehschärfe, welche die Farbenzerstreuungdes normalen Auges bedingt, merken wir für gewöhnlich nichts. Dass siedennoch vorhanden ist, davon kann man sich in folgender Weise über-zeugen. Man wählt auf die Seite 174 beschriebene Art zwei gleich belle