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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Das Sehen und die Farben.

röhrchen in den Thränensack, zwei am Grunde der Ampullen, der trichter-förmigen Erweiterungen der Thränenröhrchen, und zwei an den Ein-gängen, an den Thränenpunkten.

Das Sehen und die Farben.

Was nennen wir sehen? Sehen nennen wir das Zumbewusstsein-kommen der Erregungszustände unseres N. opticus. Ja, wir können imAllgemeinen sagen: das Bewusstwerden der Zustände des N. opticus, dennwir sehen ja auch die Dunkelheit, wir empfinden, dass es dunkel ist, weilwir in der Dunkelheit unsern N". opticus im Zustande der Ruhe empfinden.Ein Wesen, das keinen Sehnerven hätte, und dem auch die Theile desCentralorgans fehlten, durch welche uns die Gesiehtscmpfindungen zumBewusstsein kommen, würde auch die Dunkelheit nicht empfinden, sowenig wie wir urtheilen, dass es hinter uns dunkel sei, weil wir nachrückwärts keine Augen haben.

Alle Erregungszustände des N. opticus kommen uns als Lichtempfin-dungen zum Bewusstsein, auch die durch mechanische oder elektrischeBeize erzeugten, ebenso wie die, welche das Licht hervorruft.

Wenn man im äusseren Augenwinkel einen Druck auf die Scleraausübt, so sieht man vor der Nasenwurzel eine helle Scheibe. Macht manden Druck etwas stärker, so bekommt die Scheibe in der Mitte einendunklen Eleck, breitet sich aber mehr aus, so dass sie ein heller Bingmit verwachsenen Bändern wird. Die Lichterscheinung ist die Wirkungdes mechanischen Beizes, den man auf die Netzhaut ausübt. Wenn manim Dunklen die Augen rasch hin und her wirft, so sieht man Lichtblitze.Diese sind nichts Anderes als die Folgen der Zerrung des N. opticus.Hustet man im Dunklen, so sieht man Lichtblitze vor den Augen. Diesesind nichts Anderes als Folgen der Beizung, welche durch die plötzlicheStauung beim Husten im N. opticus hervorgerufen wird. Auch auf elek-trischem Wege kann man die Netzhaut und den Sehnerven zur Licht-empfindung reizen. Es ist dies vielfältig geschehen, und man sieht dannsowohl beim Oeffnen, als beim Schliessen des Stromes, aber auch währenddes Stromes, Lichtfiguren, die am genauesten von Purkinje studirt wordensind, der sie folgendermassen beschreibt:Brachteich den Leiter des Kupfer-pols in den Mund und berührte mit dem Leiter des Zinkpols den Augapfel,so erschien in dem früher finsteren Gesichtsfelde an der mir sonst wohl-bekannten Eintrittsstelle des Sehnerven eine hellviolette lichte Scheibe;im Axenpunkte des Auges war ein rautenförmiger dunkler Eleck, miteinem rautenförmigen gelblichen Lichtbandc umgeben, darauf folgte eingleiches finsteres Intervall und auch ein etwas schwächer leuchtendes gelb-liches Bautenband; die äusserste Peripherie des Gesichtsfeldes aber dockteein schwacher, lichtvioletter Schein, der, wie man das Auge rollte, ab-wechselnd an einzelnen Stellen heller wurde. Hob ich die Berührung auf,so kehrten sich die Farben um. Wechselte ich die Pole, brachte ich denKupferpol ins Auge und den Zinkpol in den Mund, so kehrten sich dieFarben, sowie auch die Licht- und Schattenpartien um. Am Eintrittsortedes Sehnerven war ein finsterer, kreisrunder Fleck, mit einem hellviolettenScheine umgeben, der als ein hellviolettes Eautenband gegen die Mitte desGesichtsfeldes auf- und niederstieg und sich mit zwei convergirenden Schenkeln