Druckschrift 
2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
Entstehung
Seite
142
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

142

Tunica retina.

kleine Grube, die wir mit dem Namen der Fovea centralis retinae be-zeichnen (Figur 24, Ä). An dieser Stelle, die nach Kühne's Unter-suchungen nicht immer wie die übrige Macula gelb gefärbt, sondern bis-weilen farblos oder doch weniger gefärbt ist, finden sich nur Zapfen, ohnedass Stäbchen zwischen sie eingeschlossen wären. Je weiter man sichaber von ihr entfernt, um so mehr Stäbchen treten auf, und zwar zuerstnur ein einfacher Ring um jeden Zapfen, später in grösserer Menge.

Die zweite Schicht ist die sogenannte äussere Körnerschicht Figur 24i-,die aus kernartigen Gebilden besteht, welche mit feinen Fäden zusammen-hängen, die sich an das System von Fäden anschliessen, das in senkrechterRichtung, das heisst senkrecht auf der Oberfläche des Glaskörpers, dieRetina durchzieht. Dann kommt eine Schicht, an der sich keine bestimmteStructur erkennen lässt, die im frischen Zustande durchsichtig ist, in derman nur feine radiäre Fäden durchgehen sieht, und die an in Chromsäureoder Müller'scher Flüssigkeit gehärteten Augen fein gekörnt erscheint. DieseSchicht heisst deshalb die molekulare Schicht (Figur 24, p). Sie verdicktsich gegen den gelben Fleck bedeutend, und die Fasern, die sonst dieSchichten der Retina senkrecht oder nahezu senkrecht durchsetzen, richtensich hier in der Weise schief, dass, wenn man ihren Verlauf von aussennach innen verfolgt, sie sich immer mehr vom Centrum retinae entfernen(siehe Figur 24). Unter dem Boden der Fovea centralis verdünnt sichdiese Schicht wie alle folgenden auf ein Minimum. Ihr folgt eine Lage,die wiederum aus kernartigen Gebilden besteht, die innere Körnerschicht(Figur 24, q), dann wieder eine ähnliche molekulare, eine Zwischenschicht(Figur 24, c), und hierauf eine Lage von Ganglienzellen (Figur 24, d) mitFortsätzen, die mit Nervenfasern in Verbindung stehen. Dann folgt end-lich die Ausbreitung dieser letzteren (Figur 24, s). Sie hat eine sehr ver-schiedene Dicke je nach dem Orte der Retina, welchen man durchschneidet.Begreiflicher "Weise ist sie am dicksten unmittelbar an der Eintrittsstelledes Sehnerven. Je mehr sich die Bündel von der Eintrittsstelle des Seh-nerven entfernen, um so mehr Fasern finden ihre Endigung, und daherwird diese Schicht um so dünner, je mehr man sich der Ora serratanähert. Es gibt aber noch eine andere Stelle der Netzhaut, an welchersich diese Schicht der Retina auf ein Minimum verdünnt, und diese istdas Centrum retinae. Durch dieses geht keine einzige Sehnervenfaser,sondern sie laufen theils direct, theils im Bogen zu derselben hin. EinTheil der Fasern findet hier in der Fovea centralis seine Endigung, unddie anderen umfassen bogenförmig das Centrum retinae, um in den mehrperipherisch gelegenen Theilen ihre Endigung zu suchen. Da an dieserStelle die Retina überhaupt verdünnt ist und namentlich hier keine zu-sammenhängende Faserschicht existirt, so ist sie an dieser Stelle besonderszerreisslich, und man findet die Netzhaut deshalb an Leichen nicht seltenim Grunde der Fovea centralis retinae mit einem kleinen Loche durch-bohrt. Diese Durchbohrung, die am Lebenden nicht existirt, ist das so-genannte Foramen Sömmeringii. Die Sehnervenfasern für das Centrumretinae und dessen nächste Umgebung, Grube und gelben Fleck, scheinenbeim Durchtritt des Sehnerven durch das Foramen opticum in dessen Axezu liegen, dann aber schräg und schläfenwärts zu verlaufen, so dass siean der Eintrittsstelle des Sehnerven in den Bulbus ein keilförmiges Bündelau der Schläfenseite des ersteren bilden.