Druckschrift 
2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
Entstehung
Seite
141
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Tunica retina.

141

Yig. 21.

clien, sondern man muss sie als einen Theil des Centralnervensystem,sansehen, der in ein Sinnesorgan, in das Auge hinein, vorgeschoben ist.

Die Retina wird nach vorn durch die sogenannte Ora serrata be-grenzt. Hier hören die nervösen Elemente mit einem gezackten Rande(Ora serrata) auf. Es setzt sich aber noch eine Schicht von Zellen fort,welche zwischen der Pigmentauskleidung der Chorioidea und der ZonulaZinnii liegt. Diese Zellenschicht ist zu verschiedenen Zeiten als Parsciliaris retinae beschrieben worden. Wir wissen heutzutage, dass diesePartie keine Lichteindrücke mehr empfangt, wir lassen deshalb die Netz-haut mit der Ora serrata endigen.

Die Retina selbst besteht aus folgenden Schich-ten. Erstens aus der sogenannten Stäbchenzapfen-scliieht Figur 24, a. Die Stäbchen sind palissaden-artige, helle, durchsichtige Gebilde, welche sich nachdem Tode sehr bald vorändern, namentlich wenn siemit Wasser oder anderen Flüssigkeiten in Berührungkommen, sich krümmen, sich der Quere nach inplattenartige Stücke aufblättern u. s. w. Sie sindmit ihren Enden in das Protoplasma und zwischendas Pigment der sechseckigen Zellen eingesenkt, diedas Innere der Chorioidea auskleiden. Diese so ein-gepflanzten Palissaden sind nach einer Entdeckungvon Boll im Leben mehr oder weniger stark rothgefärbt, um so stärker, je weniger sie dem Lichteausgesetzt waren. Kühne fand, dass man vermögedieses lichtempfindlichen Roth auf der Netzhautförmlich photographiren könne. Es gelang ihm auch,mittelst Gallensäuren den rothen Farbstoff als solchenauszuziehen und in Lösung zu bringen. Man hatdieses Roth Sehroth, auch Sehpurpur genannt. Zwi-schen ihnen stehen andere Gebilde, die man mitdem Namen der Zapfen bezeichnet. Diese Zapfen,Coni, sind namentlich in ihrem unteren Theile dickerals die Stäbchen. Sie bestehen aus einem Innen-gliede, welches in die nächstfolgende Schicht einge-senkt ist und sich mit Carmin roth färbt, und auseinem äusseren konischen Gliede, welches sich mitCarmin nicht oder weniger färbt, glashell, durch-sichtig und zwischen die Stäbchen eingeschoben ist,so dass das Ganze die Form einer sehr langen,dünnen Flasche erhält. Diese Zapfen sind nicht überall glcichmässig inder Netzhaut vertheilt. Sie sind in grösster Monge an der Stelle derNetzhaut vorhanden, mit welcher wir am deutlichsten sehen, und aufwelcher wir deshalb die Gegenstände abzubilden suchen, die wir sehenwollen. Diese Stelle bezeichnen wir mit dem Namen des Centrum retinae.Sie ist im todten Auge gekennzeichnet durch einen gelben Fleck, dieMacula lutea oder Macula flava retinae. In dessen Mitte liegt eine

Is d c q p r a

Figur 24 stellt einen Durchschnitt durch das Centrum retinae nach MaxSchultze dar.