Nervus vagus.
115
wie sie dazugekommen sind. Die Fälle, die sie zu der Annahme veran-lassten, bestanden darin, dass Individuen von einem hartnäckigen Hustenbefallen waren, der aufhörte, nachdem der Mageninhalt durch Erbrechenentleert wurde; so dass es also nahe lag, anzunehmen, dass die Sub-stanzen im Magen hier die Vagusästc gereizt und so den Husten hervor-gerufen hätten. Solche Fälle existiren nun allerdings. Ich selbst habeeinen Knaben gesehen, der Tag und Nacht hustete und mit solcher Hef-tigkeit und Hartnäckigkeit, dass er laut über die Schmerzen klagte, dieer unter den Kippen in Folge der häufigen Zusammenziehungen der Bauch-muskeln fühlte. Darauf trat reichliches Erbrechen ein und von da abkein einziger Hustenanfall mehr.
Ich glaube aber, dass diese Fälle noch eine andere Erklärung zu-lassen. Es ist bekannt, wenn auch nicht hinreichend erklärt, dass derBrcchaet auch dazu beiträgt, Substanzen nicht nur aus dem Magen,sondern auch aus den Luftwegen herauszubefördern. Bekanntlich werdenbeim Croup Brechmittel gegeben, damit sich beim Erbrechen zugleichdie Croupmembranen abstossen und ausgeworfen werden. Ebenso wäre esmöglich, dass hier der Husten erzeugende Körper sich nicht im Magen,sondern in den Luftwegen befand, und dass er beim Erbrechen in ähn-licher Weise, wie auf ein gegebenes Brechmittel die Croupmembranen,ausgestossen wurde. Kohts, der bei Keizung ,der Magenschleimhaut auchnegative Resultate erhielt, fand, dass bei Zerrung und Quetschung desOesophagus Hustenstösse eintraten, wie schon Krimers angegeben. Bis-weilen konnte er auch durch Beizung der Pharyngealschleimhaut Hustenerregen. Auch durch Keizung nicht, nur des Vagus- und Laryngeus-stammos in ihrem Verlauf, sondern auch durch Beizung des N. pharyn-geal hat er Husten erzeugt.
Bei Kranken und in Folge der Krankheit sehr empfindlichen Indi-viduen kann der Husten auch von Stellen des Körpers ausgelöst werden,an welchen sich der Vagus nicht verbreitet. Es ist bekannt, dass solcheMenschen husten müssen, sobald sie irgend einen Theil ihres Körpers derZugluft aussetzen. Dies kann nicht abgeleitet werden davon, dass siezugleich diese selbe Luft einathmen; denn das, was wir Zugluft nennen, istnicht eine kältere, sondern eine bewegte Luft, kann also die Respirations-werkzeuge nicht durch eine niedrigere Temperatur afficiren. Ebenso bringtbekanntlich Berührung der Hände und Füsse mit kaltem Wasser beimanchen Individuen sofort Husten hervor. Abkühlung wirkt indessenvielleicht nicht durch Reflex allein. Golz fand, dass Hunde, denen dasRückenmark zwischen Brust- und Lendenmark durchschnitten war, unddie an Bronchialkatarrh litten, husteten, wenn der hintere Theil desKörpers mit kaltem Wasser gewaschen wurde. Ebenso zitterte die vor-dere Körperhälfte vor Frost, wenn nur die hintere mit kaltem Wassergewaschen wurde. Man muss diesen Husten ableiten v.on der Wirkungdes abgekühlten Blutes auf die Vagusäste, die den Husten reflectorischauslösen, oder auf den sogenannten Vaguskern, die Region der Ala cinerea,denn diese ist das Refiexcentrum für den Husten, oder man muss ihnableiten von Verbindungen, die durch den Sympathicus zwischen vordererund hinterer Körperhälfte unterhalten werden.
Zu den Reflexen, welche vom Vagus ausgelöst werden, gehört auchdas Athmen. Man hat schon frühzeitig untersucht, welchen Einfluss die
8*