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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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und durch die Nieren ausgeschieden werde. Bernard hat aber nachge-wiesen, dass sich die Sache anders verhält. Erstens wird der Vaguskernnicht getroffen. Zweitens merkt man den Thiercn keinerlei Beeinträch-tigung ihrer Respiration an. Drittens kann die Respiration gesunder Ka-ninchen beeinträchtigt werden, ohne dass sie diabetisch werden. Endlichkann man die Vagi selbst durchschneiden, ohne dass dadurch Diabeteshervorgerufen wird. Allerdings sahen spätere Beobachter bisweilen nachDurchschneidung der Vagi am Halse Diabetes auftreten, aber dies beweistnichts für die erwähnte Ansicht, da Eckhard fand, dass dieser Diabetesrasch vorübergeht, und Bernard's Angabe bestätigte, dass Vagusreizungregelmässig Diabetes erzeugt. Der bei der Durchschneidung beobachtetevorübergehende Diabetes kann also bei seiner Inconstanz mit mehrWahrscheinlichkeit von Reizung abgeleitet werden, die von der Durch-schnittsstelle ausgeht. Es handelt sich also nicht darum, dass der Zucker,der normaler Weise ins Blut gelangt, nicht in der gewöhnlichen Weiseverbrannt wird, sondern man muss vielmehr annehmen, dass eine unge-wöhnlich grosse Menge von Zucker in das Blut hineingelangte. Es fragtsich nun, auf welche Weise dies geschieht. Es hat sich bis jetzt darüberkeine bestimmte Meinung feststellen lassen, aber man hat Fingerzeigebekommen, durch welche Cyon und Adaloff zu einer Hypothese überdie Ursache des Diabetes gelangt sind. Man hat gefunden, dass durchdie Ausschneidung des Ganglion cervicale inferius Diabetes erzeugt wird,und zwar geben Cyon und Adaloff an, dass dies von einer Hyperämie,die in der Leber eintritt, herrühre. Sie glauben deshalb, dass die vaso-motorischen Nerven der Leber, die ihr Centrum in der Medulla oblongatahaben, durch die Rami communicantes aus dem Rückenmarke aus- undin den Sympathicus eintreten und so endlich zur Leber gelangen. InFolge der Lähmung dieser Nerven trete Hyperämie in der Leber ein,dadurch sei die reichlichere Zuckerbildung in derselben zu erklären undhieraus die grössere Zuckermenge im Blute, also der Diabetes. Sie gebenan, dass dieser Diabetes nach Ausschneidon des Ganglion cervicale inferiusausgeblieben sei, wenn sie vorher den Splanchnicus durchschnitten hätten.Sie erklären dies so, dass durch die Durchschneidung des Splanchnicus,der bekanntlich die vasomotorischen Nerven für einen grossen Theil deschylopoetischen Systems führt, die Blutbahnen im Darmkanalo erweitertund so für das Blut gewissermassen ein so breiter Nebenweg eröffnetworden sei, dass das Ausschneiden des Ganglion cervicale inferius jetztkeine Hyperämie in der Leber hervorgebracht habe. Es muss übrigensbemerkt werden, dass nach blosser Durchschneidung des Nervus splanch-nicus auch Diabetes beobachtet wurde, wenn auch nicht immer. Auchist Eckhard auf Grund seiner Versuche den Ansichten von Cyon undAdaloff entgegengetreten.

Als ein merkwürdiges, aber auch bis jetzt ganz unerklärtes Factumist hier nochmals Eckhards Beobachtung zu erwähnen, dass reine Polyurieohne Zuckerausscheidung entsteht, wenn man nicht die Medulla oblongata,aber den Wurm verletzt.

Auch nach Verletzung einzelner anderer Thcile des Nervensystems,ala dem von Bernard bezeichneten, hat man Zucker im Urin auftretensehen, aber nicht mit derselben Regelmässigkeit. Andererseits sind mehr-fach in ausgesprochenen Fällen von Diabetes mellitus beim Menschen