Gehirn.
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nahmen. Dies gellt daraus hervor, dass man andere Resultate erhält, wennman am Rückenmarke Schnitte anlegt.
Wenn man einem Frosche die eine Hälfte des Rückenmarks biszur Mittclebenc durchschneidet, so wird das Bein an der Seite, wo derSchnitt im Rückenmarke gemacht wurde, unvollkommen gelähmt, dies sagtalso, dass die Kreuzungen der Bahnen, welche vom Gehirne zu den moto-rischen Nerven gehen, verhältnissmässig hoch oben stattfinden, und dassdann die motorischen Bahnen auf derselben Seite verlaufen, auf der sichdie Ganglienkörper befinden, die den motorischen Nerven derselben Seiteals Ursprung dienen. Wie steht es nun mit der Empfindlichkeit? Das-selbe Verfahren, welches später Setschenow anwandte, um die Roflex-erregbarkeit zu untersuchen, nämlich das Eintauchen der Zehen des Froschesin sehr verdünnte Schwefelsäure, wendete damals schon Türk bei Fröschenan, denen er das Rückenmark in der früher angegebenen Weise durch-schnitten hatte. Er fand, dass das Bein der anderen Seite unterempfind-lich war, d. h. dass dieses später als im normalen Zustande aus der ver-dünnten Schwefelsäure herausgezogen wurde. Dieselbe Unterempfindlich-keit an der unverletzten Seite zeigte sich auch bei Kaninchen. Wenn mandiesen die Halbscheid des Rückenmarks durchschnitten hat, wird dasBein derselben Seite unvollkommen gelähmt, das der anderen Seite wirdunterempfindlich. Beim Kneipen der Haut zeigen sich später Schmcrzens-iiusserungen, als im normalen Zustande.
Fragt man, was dies bedeute, so kann man nichts Anderes antwor-ten, als dass sensible Bahnen kurze Zeit, nachdem sie in das Rücken-mark eingetreten sind, auf die andere Seite sich begeben und dann indieser Seite nach aufwärts laufen, so dass durch den Schnitt Haut-nerven der anderen Seite ausser Communication mit dem Gehirne gesetztwurden.
Wie verhält sich aber das unvollkommen gelähmte Bein in Rück-sicht auf seine Empfindlichkeit? Es erweist sich sowohl bei den operirtenFröschen, als bei den operirten Kaninchen als überempfindlich. Der Froschzieht dieses Bein nach kürzerer Zeit aus der verdünnten Schwefelsäureheraus, als er es früher gethan hat. Das Kaninchen äussert schon beimassigem Kneipen der Haut Schmerzen, und wenn man dieselbe unterstärkerem Drucke zwischen den Fingern wälzt, so schreit es laut, wie esein gesundes Thier unter gleichen Umständen nicht zu thun pflegt. Wirhaben also hier eine ähnliche Ucberempfindlichkeit, wie sie sich bei demSetschenow'sehen Versuche zeigte. Es werden Reflexbewegungen auf derverletzton Seite leichter ausgelöst, und zwar nicht nur durch chemische,sondern auch durch tactile Reize. Beim Frosche könnte man dies so er-klären, dass der Schnitt das Reflexcentrum vom Hemmungscentrum getrennthat. Für das Schreien des Kaninchens aber ist diese Erklärung unzulässig,da hier das Reflexcentrum in der Medulla oblongata liegt, also durchJen Schnitt im Rückenmarke nicht vom Hemmungscentrum getrenntsein konnte.
Auch an Menschen sind nach Verwundungen eines Seitenstrangesdes Rückenmarkes analoge Erscheinungen beobachtet, in einzelnen Fällensogar vollständige Anästhesie auf der einen Seite und Lähmung nebstUeberempfindliehkeit auf der andern Seite. Auf der anästhetischen, alsoder nichtverwundeten Seite, war der Kraftsinn, das heisst das Unter-